Omegon Refraktor 72/432

Motivation | Aussehen | Basisdaten | Besuchte Himmelsobjekte | Erste Erfahrungen | Weitere Erfahrungen | Probleme | Fotoversuche | Erstes Fazit | Links

Auf dieser Seite stelle ich einige Informationen zu meinem Omegon Apochromatischer Refraktor Pro APO AP Photography Scope 72/432 ED OTA zusammen (am 8.9.2018 auf der AME2018 bestellt, am 11.9.2018 erhalten). Der Einfachheit halber werde ich meistens es kurz (Omegon) PS 72/432 oder nur PS72 nennen. Dieses Teleskop möchte ich zum schnellen Beobachten aber auch für die Reise verwenden (auf eine Reise habe ich es bereits mitgenommen).

Hinweis: Thomas Gade hat baugleiche Varianten von Omegon, SNYPEX (als Knight PT 72mm oder Snypex Digiscope) und von Teleskop Service als TSED346R gefunden.

 

Motivation (nach dem Kauf, vor dem Eintreffen...)

Refraktoren werden immer wieder für ihre scharfe und konrastreiche Abbildung gelobt, aber auch wegen ihrer Farbfehler krisitisiert. Nur Refraktoren mit sehr teuren Gläsern scheinen wirklich farbrein zu sein. Und wo "ED" draufsteht, scheint nicht immer wirklich welches "drin" zu sein. Wegen des oft zu lesenden Lobes haben mich Refraktoren, mit denen ich bisher keinerlei Erfahrungen habe, immer wieder zum Kauf verlockt. Jedesmal, wenn ich einen etwas günstigeren Refraktor im Internet fand, habe ich meinen Astro-Händler angerufen und um seine Meinung zum jeweiligen Gerät gefragt. Und dieser hat immer wieder wegen der kräftigen Farbfehler abgeraten, so dass nie etwas aus dem Kauf eines Refraktors wurde.

Aber nun habe ich doch einen gekauft, und das kam so: Anfang September 2018 auf der AME2018 Astronomie-Messe in Villingen-Schwenningen stieß ich auf viele kleine Refraktoren, wobei meiner Frau und mir speziell der Omegon Refraktor PS 72/432 ED gefiel. Wieder stand "ED" drauf, aber bei einem regulären Preis von knapp 500 EUR (früher 600 EUR) war wohl nicht wirklich damit zu rechnen, dass die Optik farbrein ist... Nach einigem Hin und Her habe ich versucht, mich beraten zu lassen, was nicht ganz einfach war. Der Verkäufer, mit dem ich dann endlich sprechen konnte, wusste aber eigentlich gar nichts über dieses spezielle Gerät, wie ich sehr schnell, aber auch später, als ich Tests des Gerätes las, feststellte. Nach weiterem Hin und Her habe ich mich schließlich, auch vom Messepreis verlockt, dazu entschlossen, das Gerät zu bestellen, weil es uns rein äußerlich so gut gefiel - auch wegen seiner besonderen Fokussierung, die sich später als ein "Helikalfokussierer" (Innenfokussierung) erwies.

Zu Hause angekommen, fand ich einen Testbericht von Thomas Gade sowie einen bei Abenteuer Astronomie (Extra-Heft 1/2017), den ich wohl schon einmal gelesen habe. Dabei stellte sich heraus, dass ich mich "zielsicher" für ein ganz besonderes Gerät entschieden hatte, das drei Anwendungsbereiche bietet: Kameraobjektiv, Spektiv und Himmelsfernrohr. So etwas Ähnliches gibt es neben baugleichen Modellen auch bei Kowa (Teleobjektiv Kowa TP 556) zum Preis von 2500 EUR, und dies spielt sicher in einer anderen Kategorie (es hat auch von allem ein bisschen mehr...). Aber die äußerlichen Ähnlichkeiten, inklusive der roten Ringe und der Art der Fokussierung, sind unverkennbar. Nun ja, sicher wäre die Wahl eines "echten" Refraktors (z.B. Sky-Watcher Evostar 72ED oder TS Optics (TS Optics Apochromatischer Refraktor AP 72/432 FPL53 Photoline OTA) eine bessere gewesen, ich werde sehen...

In Test von Abenteuer Astronomie kam dann auch gleich das erste Problem, vor dem ich stehen werde, zu Tage: das Gerät hat keinen Sucher und ein Anschluss ist auch gar nicht möglich! Gade verschweigt dies diskret... Vielleicht läßt sich da noch etwas basteln??? Als ich den Händler anrief und daraif ansprach, wurde mir ein Rigel Quick Finder empfohlen.

Das zweite Problem, das mich aber wohl nicht so hart treffen wird, besteht darin, dass die Vixen-Schiene etwas kurz und nicht verschiebbar ist (letzteres kann ein Problem bei schweren Kameras sein).

Gade bemängelt dann noch den empfindlichen Lack und die Gummiarmierung des einen Scharfeinstellrings, aber ansonsten wird die Optik von beiden Testern besser bewertet, als ich befürchtet hatte... Nun bin ich gespannt, wie sich diese Optik als Reiseoptik und "Schnelleinsatz-Optik" bewähren wird, insbesondere im Vergleich mit dem Heritage 100P.

 

Aussehen

Auspacken

Umverpackung

Dito

Dito

Dito, geöffnet

Geöffnete Verpackung

Koffer in schützendem Plastik

Koffer

Dito, geöffnet

Dito, Teleskop sichtbar

Dito

Dito, Teleskop herausgenommen, Plastikhülle im Koffer abgelegt

Teleskop auf dem Koffer

Teleskop allein, kein Zubehör

 

 

Zubehör:

Keines, nur ein kurzes Faltblatt...

Verpackungsgröße:

56 cm x 20 cm x 23.5 cm (eigene Messung)

Koffergröße:

54 cm x 19 cm x 17 cm (eigene Messung, ohne hervorstehende Teile)

Refraktor auf AZ Pronto-Basis

Ohne Zubehör

Mit Zenitspiegel (1.25") und Okular (Himmelsbeobachtungen)

Mit Zenitspiegel (2") und Okular (Himmelsbeobachtungen)
Mit Amici-Prisma (1.25") und Okular (Erdbeobachtungen)

Mit Amici-Prisma (2") und 1,25"-Okular (Erdbeobachtungen)

 

Basisdaten des Omegon PS 72/432 Refraktors (im Vergleich)

Teleskop
Meade
Sky-Watcher Skmax/Heritage/Explorer
GSO Omegon
10" ETX 90EC 102 127 76 100P 114P P130 150PDS GSD 680 PS 72/432
Optische Bauart Newton
(Parabol.)
Maksutov-Cassegrain Maksutov-Cassegrain Maksutov-Cassegrain Newton
(Sphärisch)
Newton
(Parabol.)
Newton
(Parabol.)
Newton
(Parabol.)
Newton
(Parabol.)
Newton
(Parabol.)
Refraktor
Hauptspiegel-Durchmesser 254 mm 96 mm (90 mm) 102 mm (4") 127 mm (5") 76 mm (3") 100 mm (4") 114 mm (4,5") 130 mm (5") 150 mm (6") 200 mm (8") 72 mm
Brennweite, Öffnungs-
verhältnis
1270 mm
f/5
1250 mm
f/13,8
1300 mm
f/12,7
1500 mm
f/11,8
300 mm
f/3,95
400 mm
f/4
500 mm
f/4,38
650 mm
f/5
750 mm
f/5
1200 mm
f/6
432 mm
f/6
Auflösungs-
vermögen
0,45" 1,3" 1,15" 0,91" 1,51" 1,15" 1,01" 0,9" 0,77" 0,58" 1,61" **
Visuelle stellare Grenzgröße ca. 14,5 mag 11,7 mag 12,7 mag 13,2 mag 11,2 mag 11,8 mag 12,1 mag 13,3 mag 12,7 mag 14,5 mag 11,1 mag **
Lichtsammelleistung 1316,7 165,3 212,3 329,2 117,9 204,1 265,2 344,9 459,2 816,3 105,8 **
Empfohlene
Maximal-
Vergrößerung
ca. 600 x 325 x 204 x 254 x ca. 100 x (152 x) 150 x (200 x) 170 x (228 x) ca. 195/220 x (260 x) ca. 225 x (300 x) ca. 300 x (400 x) 144
Abmessungen Teleskoptubus (Durchm. x Länge) 35 cm x 119 cm 10,4 cm x 27,9 cm 11,6 x 27 cm 14,4 x 33 cm n.a. 11,5 cm x 37 cm* n.a. Länge zu-
sammen-
geschoben < 37 cm (14,5")
18,2 cm x 69 cm
18 cm x 68 cm*
23 cm x 115 cm 10 cm x 39,5 cm
Nettogewicht Basis 12,2 kg n.a. --- --- n.a. 1,3 kg* 1,6 kg 3,1 kg* --- 11,2 kg n.a.
Nettogewicht
optischer Tubus
17,2 kg n.a. 1,9 kg 3,4 kg n.a. 1,2 kg*
3,7 kg
3,25 kg* 5,0/6,0 kg
5,5 kg*
9,5 kg
n.a.
Nettogewicht gesamt 3,5 kg 1,75 kg 2,5*/2,8 kg 5,3 kg < 6,5 kg ca. 21 kg 2,06 kg

Dunkelblau: Teleskope in aktuellem Besitz; kursiv und dunkelrot: Teleskope, die ich besaß; schwarz: zum Vergleich; *) selbst gemessen; **) korrigierte Were

 

Besuchte Himmelsobjekte

Bisher habe ich die folgenden Himmelsobjekte mit dem Omegon PS 72/432 besucht (und meistens noch nicht dokumentiert...):

 

Erste Erfahrungen

Als Spektiv...

Da ich noch nie einen Refraktor besaß, war ich gespannt auf die allerersten Erfahrungen mit dem Omegon PS 72/432. Diese habe ich zunächst am Tag gemacht, mehr oder weniger direkt nach dem Auspacken. Dazu habe ich einen 2"-auf-1,25"-Adapter von meinem Explorer 150PDS entwendet und diesen ins Teleskop eingesetzt, denn ich besitze nur 1,25" Ausrüstung (von einem 2"-Okular abgesehen...). Dann habe ich entweder mit meinem Baader Amici-Prisma oder dem Lacerta-Zenitspiegel mit diversen Okularen durchs Teleskop geschaut - auf unsere Sonnenblumen und auf Bäume im Nachbargarten. Anfangs habe ich mein 24 mm-Okular verwendet (18 x), später auch andere Brennweiten bis herab zu 4 mm (108 x) versucht und am Ende das 32 mm-Okular (13,5 x) benutzt. Letzteres ergab dann gerade mal einen Tuck Vergrößerung mehr als meine Ferngläser (10 x)... Bei 4 mm-Okularbrennweite (funktionierte nur mit dem Zenitprisma) was das Bild allerdings schon recht dunkel...

Bei meinen Versuchen kam ich, vor allem beim Amici-Prisma, nicht immer in den Fokus, was offensichtlich vom verwendeten Okular abhing. Am kritischsten schien dabei mein 10 mm-Okular von University Optics zu sein. Möglicherweise hängt dies Problem mit der Umsetzung von 2" auf 1,25" zusammen, das wird die Erfahrung zeigen.

Übrigens habe ich noch ein weiteres billigeres Amici-Prisma ausprobiert, das ich verschenken möchte, und habe keine Leistungsunterschiede erkennen können, außer dass die Okulare damit noch weniger in den Fokus kamen...

Sucherspielereien...

Wie ich ja schon bald nach dem Kauf und vor dem Besitz wußte, hat das Omegon PS72 keinen Sucherschuh. Wie ich bald herausfand, steht es damit nicht allein, aber an anderen ähnlichen Teleskopen ist ein Sucher leichter zu montieren, weil sie einen normalen Fokussierer haben.

Ich habe für das erste den Sucher meines Heritage 100P entwendet und eine typische "Gerd Waloszek-Bastellösung" mit Gummibändern versucht. Wenn man genügend Gummibänder verwendet, sitzt das Ganze sogar einigermaßen fest...

Das soll jetzt aber keine "Dauerlösung" werden...

Als Teleskop (erste Nacht)...

Nachdem ich bei Tageslicht zwar Unterschiede beim Fokussieren mit verschiedenen Okularen und dem Amici-Prisma gefunden hatte (ein zweites hatte ich auch getestet und fand weitere Unterschiede beim Fokussieren), traf mich dann aber fast der Schlag, als ich auf die ganz schmale Mondsichel scharfstellen wollte. Bis auf ein Okular, mein 24 mm-Televue-Okular, kam ich mit keinem meiner Okulare bei Verwendung des Lacerta-Prismenspiegels in den Fokus. Das extremste war dabei das 10 mm-Okular von University Optics, das mir auch schon am Amici-Prisma als kritisch aufgefallen war. Und das 24 mm-Okular war praktisch "am Anschlag", und ich war nie ganz sicher, ob das Bild auch wirklich scharf eingestellt war. So drehte ich immer wieder an der Feineinstellung herum, bis auch diese "am Anschlag" war, ohne ich dass zu konkreten Schlußfolgerungen gelangte. Im Nachhinein kann ich wohl sagen, dass es eher nicht ganz korrekt fokussiert war...

Und was ich vom Arktur oder Mars sah, war längst nicht so punktförmig oder rund, wie ich es erhofft und vielleicht auch erwartet hatte. Ob das nun für solch ein Teleskop "normal" ist, oder ob meines eine "Zitrone" ist, werde ich wohl erst im Laufe der Zeit herausfinden (auch im Vergleich mit dem ähnlich vergrößernden Heritage 100P, siehe weiter unten).

Immerhin habe ich in der ersten Nacht einige Ziele am Nachthimmel beobachten können, so M 13, M 92, M 56 (ganz schwach), M 31 und den Kleiderbügel CR 399. Gerade die diffuseren Objekte fand ich recht schön (aber auch klein...). Obwohl der "Gummiband-Sucher" ganz gut funktionierte, hatte ich Probleme, einige Beobachtungsziele zu finden. Letztendlich half mir dann das TS-Fernglas, die Ziele zu orten und damit auch mit dem Teleskop zu finden.

Da ich einige Tage später in den Urlaub fahren wollte, war es nun zu spät für weitere Experimente mit neu zugekauftem Zubehör wie einem 2"-Zenitspiegel. Und damit fiel der Einsatz des Teleskops im Urlaub leider aus, so schien es zumindest...

Nachts fiel mir noch ein, dass ich einen weiteren Zenitspiegel besitze, den der ehemalige Besitzer meines Skymax-127 in einem selbstgebauten Winkelsucher verbaut hatte. Den Sky-Watcher-Zenitspiegel hatte er nämlich durch einen dielektrischen von Lacerta ersetzt - und mit diesem hatte ich auch meine Beobachtungen gemacht. Der Winkelsucher war jedoch schwierig zu zerlegen, so dass ich erst man nächsten Morgen den Zenitspiegel "wiederherstellen" konnte. Dann unternahm ich mit meinen Okularen einen Test an möglichst weit entfernten terrestrischen Zielen (Kran, Antenne), und ich staunte nicht schlecht: Bis auf das schon angesprochene 10 mm-Okular kam ich mit allen Okularen in den Fokus, wo auch immer er auf der "Grobskala" lag. Und das machte mir Hoffnung, dass ich auch mit Mond, Planeten und Sternen mit ihnen in den Fokus gelangen könnte. Und mit diesem erfreulichen Ergebnis rückte der Einsatz im Urlaub zu meiner Freude wieder in den Bereich des Möglichen!

Fotos: Omegon PS72 mit einfachem Zenitspiegel von Sky-Watcher

Zweite Nacht mit dem PS72...

Der anschließende Abend sollte zeigen, ob der Omegon-Refraktor PS 72/432 auch am Himmel mit dem Sky-Watcher Zenitspiegel "arbeitsfähig" ist, wenn ja, mit welchen meiner Okulare, und wie er sich im Vergleich mit dem Sky-Watcher Heritage 100P zeigt, der ja in einer ähnlichen Liga spielt. Das Heritage 100P hat zwar mehr Öffnung, aber ich habe immer wieder gelesen, dass ein 70 mm-Refraktor in etwa einem 100 mm-Newton-Teleskop entspricht, weil er keine Obstruktion hat (bei den Zahlenwerten, die man zu Newton-Teleskopen findet, wird die Obstruktion typischerweise nicht eingerechnet, sondern die Daten beruhen allein auf der Öffnung).

Zunächst testete ich meine Okulare am PS72, und alle bis auf das 10 mm-Okular kamen auch bei Himmelsobjekten in den Fokus. Dann testete ich den Refraktor am Sichelmond (3. Tag nach Neumond), wobei anfangs der Himmel noch recht hell war, und verglich ihn zudem mit dem Heritage 100P bei ähnlichen Vergrößerungen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass der 2-fach Fokalextender von Explore Scientific, den ich zum Herstellen ähnlicher Brennweiten benötigte, nur am Heritage 100P in den Fokus kam. Dabei testete ich 7 mm gegen 16 mm mit Extender und 4 mm gegen 7 mm mit Extender, wobei die Extendervariante immer auf dem Heritage 100P eingesetzt wurde. Außerdem testete ich anfangs auch längere Brennweiten wie 24 mm und 16 mm abwechselnd in beiden Teleskopen. Da die Mondsichel nun schon etwas breiter war als am Vortag, konnte ich Krater und Teile des Mare Crisium gut erkennen und die Bilder in beiden Teleskopen beurteilen. Bei geringen Vergrößerungen war das Bild im Refraktor deutlich kontrastreicher und schärfer als das im 100P, bei gut 100-facher Vergrößerung schien das Bild im Heritage 100P geringfügig heller zu sein, aber wohl doch weniger scharf als im PS72. Letzteres kann aber auch an der schwierig zu regulierenden Scharfstellung des 100P gelegen haben.

Ferner testete ich die Teleskope an Mars und Saturn mit bis zu gut 100-facher Vergrößerung. Der Saturn erschien im Refraktor geringfügig schärfer, beim Mars war es mal so und mal so, also keine eindeutige Aussage möglich. Die Ergebnisse für das PS72 waren jedenfalls viel besser als meine ersten Versuche am Mars vom Vortag.

Da ich nun mit dem Refraktor "von beiden Seiten" in den Fokus kam, konnte ich an Sternen auch eine viel bessere Abbildungsqualität erreichen als am ersten Tag. Meine Befürchtungen, eine Zitrone" erhalten zu haben, bestätigten sich zum Glück nicht. Sehr schön konnte ich das am Kleiderbügel CR399 sehen, der in beiden Teleskopen noch vollständig gesehen werden kann und in beiden schön aussah (feine Sternpunkte) - vielleicht einen kleinen Tuck schöner im PS72... Der Doppelte Doppelstern in der Leier/Lyra stellte einen weiteren "Härtetest" für beide Teleskope dar: ab etwa 100-facher Größe, soll man 4 Sterne, also zwei Sternenpaare, sehen können. Meine Maksutov-Teleskope hatten diesen Test im August 2018 gut bestanden (sogar unterhalb 100-facher Vergrößerung), mit dem Heritage 100P dagegen hatte ich im Herbst 2017 vergeblich versucht, die beiden Hauptsterne weiter aufzulösen. So blieb es diesmal auch bei 114-facher Vergrößerung! Der Refraktor PS72 konnte dagegen bei 108-facher Vergrößerung den einen Doppelstern auflösen, und beim anderen konnte man zumindest erahnen, dass es einer war.

Außerdem habe ich mit beiden Teleskopen eine Reihe von Deep-Sky-Objekten in verschiedenen Vergrößerungen beobachtet; dabei ging es weniger um Schärfe als um Helligkeit: M 13 (Herkuleshaufen), M 31 (Andromeda-Galaxie) und M 57 (Ringnebel in der Leier/Lyra). Alle waren mit beiden Teleskopen gut zu sehen, der Ringenebel allerdings nicht als Ring. Mein Eindruck war, dass die Objekte im Heritage 100P vielleicht einen Tuck heller und evtl. auch etwas ausgedehnter waren. Das würde mich bei der größeren Öffnung und Austrittspupille des Heritage 100P (aber siehe Obstruktion...) auch nicht verwundern. Insgesamt haben aber beide Teleskope recht ähnliche Ergebnisse geliefert.

Fazit: Der Omegon-Refraktor PS 72/432 ist mit dem Sky-Watcher-Zenitspiegel mit den meisten meiner Okulare in der nächtlichen Praxis verwendbar, liefert am Mond und an Doppelsternen eine etwas bessere Leistung ab als das Heritage 100P und ist ihm an DSOs vielleicht geringfügig unterlegen. Auf jeden Fall habe ich den Refraktor am nächsten Tag für die Reise eingepackt, auch wenn der zunehmende Mond keine tollen Beobachtungsnächte versprach...

Dritte Nacht mit dem PS72...

Vor unserem Urlaub wollte ich noch einmal sehen, ob ich auch den Hantelnebel M 27 mit dem PS72 finden kann, denn ich hatte herausgefunden, dass er nicht weit von dem bereits besuchten Kleiderbügel CR 399 entfernt ist. Außerdem ist der Doppelstern Albireo in der Nähe, auch ein lohnendes Ziel! Nach dem Aufbau der Teleskope PS72 und Heritage 100P war jedoch erst einmal der fast halbe Mond dran, denn es war noch relativ hell. Gut zu sehen waren die Krater Theophilus, Cyrillus und Catharina in der Nähe des Terminators. Am PS72 habe ich die Vergrößerung auf 324-fach getrieben, wobei das Bild zwar schon etwas unscharf, aber noch akzeptabel war (weit über der förderlichen Vergrößerung). Und das kam so: Nachdem ich am Heritage 100P den 2-fach Fokalextender benutzt hatte, um dort parallel zu ähnlichen Vergrößerungen wie am PS72 zu gelangen, habe ich diesmal, warum auch immer, auch den 3-fach Fokalextender versucht... Zu meiner Überraschung funktionierte dieser auch am PS72 und sogar mit dem 10 mm-Okular. Diese Überraschung war natürlich eine angemehme, und so habe ich den 3-fach Fokalextender immer wieder am PS72 benutzt. Mein 4 mm-Okular führt bei 432 mm Brennweite mit dem 3-fach Fokalextender zu einer 324-fachen Vergrößerung. Mit dem 7 mm-Okular ist es 185-fach, mit dem 10 mm-Okular 130-fach und mit dem 16 mm-Okular 81-fach (die ersten drei Okulare liegen über der förderlichen Vergrößerung). Das eröffnet natürlich ganz neue Möglichkeiten!

Bevor ich mich an den Hantelnebel M 27 heranwagte, habe ich zunächst zufällig den Kleiderbügel CR 399 und später den Doppelstern Albireo gefunden, der schon mit 24 mm zu trennen war (18 x). Mit etwas Mühe und der Hilfe von SkySafari 6 habe ich schließlich auch den Hantelnebel M 27 gefunden, sogar mit beiden Teleskopen, und mit unterschiedlichen Vergrößerungen bis zu gut 100-fach beobachtet. Er war ein mehr oder weniger runder diffuser schwacher Schimmer, aber an der Erkennung bestand kein Zweifel. Beide Teleskope zeigten dabei eine ähnliche Leistung.

Übrigens stellte sich diesmal heraus, dass der vom Explorer 150PDS ausgeliehene Adapter von 2" auf 1,25" nur sehr unzuverlässig am Teleskop festhielt, so dass der Kauf eines 2"-Zenitspiegels nach dem Urlaub angeraten schien. Und so habe ich nach dem Urlaub, Anfang Oktober 2018, einen 2"-Zenitspiegel von Omegon sowie das von Omegon angebotene Amici-Prisma, das von 2" auf 1,25" adaptiert, hinzu gekauft. Und vielleicht kommen dann doch noch weitere 2"-Okulare zu meinem 28 mm-Okular von Sky-Watcher hinzu, das dem Explorer 150 PDS beilag. Leider sind 2"-Okulare sehr teuer, aber vielleicht werde ich ja im Gebrauchtmarkt fündig...

 

Weitere Erfahrungen

Das PS72 im Urlaub in Frankreich

Wie oben angekündigt, habe ich das PS72 mit in den Herbsturlaub 2018 nach Frankreich genommen. Dabei habe ich den Mond, die Planeten Jupiter, Saturn und Mars sowie eine ganze Reihe von Deep-Sky-Objekten beobachtet. Diese Beobachtungen werde ich an anderer Stelle beschreiben. Alles in allem war ich mit der Leistung des Teleskops recht zufrieden, aber es gab auch einige Objekte, die ich partout nicht finden konnte...

2"-Amici-Prisma

Nach dem Frankreichurlaub habe ich bei Astroshop.de das passende Amici-Prisma bestellt, das von 2" auf 1,25" adaptiert. Leider hat mein Exemplar einen grauen und keinen roten Ring, obwohl es ja speziell für dieses Teleskop empfohlen wird...

Omegon Amici-Prisma 45° 2'' auf 1,25"

Omegon 45°-Amici-Prisma am Teleskop

Dito, näher dran

Dito, mit Ausrüstung Dito, mit 3 x-Fokalextender Dito, näher dran

Fotos: Omegon Amici-Prisma 45° 2'' auf 1,25"

Am Tag der Ankunft habe ich das Amici-Prisma kurz ausprobiert (solange die Helligkeit ausreichte...), und alles machte einen sehr guten Eindruck, solange ich unter 100-facher Vergrößerung blieb. Darüber wurde es dann doch schon ziemlich trübe im Bildfeld...

Am nächsten Tag habe ich alle meine Okulare sowie meine Brennweiten-Extender mit einigen Okularen ausprobiert. Bei einem entfernten Ziel (ca. 100 m) kamen alle Okulare/Kombinationen in den Fokus, bei einem etwa 8 m entfernten Nahziel musste ich einige Okulare ein wenig herausziehen, um in den Fokus gelangen zu können. Insgesamt ist das aber ein sehr befriedigendes Ergebnis!

2"-Zenitspiegel

Außerdem habe ich nach dem Frankreichurlaub bei Astroshop.de einen dielektrischen 2"-Zenitspiegel bestellt, der mit einem 2"-auf-1,25"-Adapter geliefert wird. Verglichen mit einem 1,25"-Zenitprisma ist das schon ein ziemlicher Brocken! Der Adapter ist anders konstruiert als der bisher verwendete von Sky-Watcher, und er hält auch direkt im Okularauszug sicher, so dass ich damit auch 1,25"-Zenitspiegel verwenden könnte. Aber das macht eigentlich keinen Sinn, wenn man einen 2"-Zenitspiegel besitzt...

Omegon Zenitspiegel 90°, 2", dielektrische Vergütung mit 2"-auf-1,25"-Adapter
Omegon-Zenitspiegel im Einsatz mit 2"-Okular
Dito mit 1,25"-Okular und Adapter
Dito, bei Nacht mit Ausrüstung Dito Dito

Fotos: Omegon Zenitspiegel 90°, 2", dielektrische Vergütung

Auch mit dem 2"-Zenitspiegel habe ich meine Okulare und Brennweitenverlängerer getestet. Bis auf das 10 mm-Okular von University Optics kamen alle in den Fokus. Bei letzterem gelang dies nur mit dem 3-fach-Brennweitenverlängerer. Wie sich herausstellte, ist der Auszug für das 10 mm-Okular zu lang - und nicht, wie meistens, zu kurz. Dieses Okular fällt generell etwas aus dem Rahmen, was die Fokuswege angeht. Insgesamt war ich auch mit diesem Ergebnis zufrieden und werde jetzt nur noch den 2"-Zenitspiegel an diesem Teleskop verwenden.

Für Übersichten kann ich nun das 28 mm-Okular (wohl ein Erfle-Okular) des Sky-Watcher Explorers 150PDS verwenden. Es liefert in etwa den gleichen Ausschnitt (Bildwinkel) wie mein 32 mm-Plössl-Okular, aber bei etwas höherer Vergrößerung (bei Tage zeigt es auch eine geringere Schärfentiefe als das Plössl-Okular).

 

Probleme

Doch es gab (und gibt noch) auch einige Probleme mit dem PS72! Die Scharfeinstellung erweist sich als schwergängig (in Tests wird sie als "leichtgängig" bezeichnet), so dass mir ab und zu sogar der Gummiring der Grobfokussierung durchrutschte. Möglicherweise ist es aber auch der Fokussiermechanismus selbst, er "sprintgt". Die Feinfokussierung ist noch schwergängiger. Oft halte ich deshalb die Montierung beim Fokussieren fest, damit das beobachtete Objekt im Bildfeld verbleibt. Dies habe ich beim Händler bemängelt und einen Rücksendeschein erhalten. Sobald möglich, werde ich also das Teleskop zurücksenden und reparieren oder austauschen lassen.

Wie schon berichtet, hält der Sky-Watcher 2"-auf-1,25"-Adapter von Sky-Watcher nicht zuverlässig im 2"-Okularanschluß. Auch dies habe ich beim Händler angesprochen und eine Antwort erhalten, die zwar nicht passte, aber in die richtige Richtung wies. Letztendlich habe ich dieses Problem durch den Kauf eines 2"-Zenitspiegels und neuen Amici-Prismas mit 2"-Anschluß gelöst. Der zugehörige 2"-auf-1,25"-Adapter hält zuverlässig im Okularanschluß, so dass auch 1,25"-Zenitspiegel und Amiciprismen nutzbar wären...

Meine "Gummibandlösung" für den Sucher hat sich auch nur bedingt bewährt, denn der Sucher verschiebt sich damit zu leicht. Ich habe nun einen Baader-Sucherschuh erworben und werde versuchen, ihn irgendwie am Teleskop zu befestigen... Der Händler hat übrigens den aufklebbaren Rigel-Sucher (Quick Finder) als Lösung empfohlen.

Und dann habe ich doch Farbsäume gefunden, und zwar vor allem am Mond! Visuell waren sie am Rande des Mondes gelb, fotografisch blau und nicht nur am Rand, sondern auch an einigen Kratern zu sehen. Damit muss man wohl bei einem ED-Apochromaten leben...

Und zuguterletzt bin ich auf einige Probleme mit der Webseite für das Teleskop bei Astroshop.de gestoßen, die ich reichlich verwirrend fand:

 

Fotoversuche

Als Spektiv

Nach meinen ersten Spektivtests habe ich schnell noch einmal mit dem 32 mm-Okular und meiner Sony RX100 M4, die daran angeschraubt war, versucht, Fotos von unseren Sonnenblumen zu machen (mit 70 mm Brennweite äquiv.). Da es windig war und ich keinen Fernauslöser verwendete, ist nicht viel dabei herausgekommen.

Später hatte ich einen weiteren Versuch, als es weniger wehte (zweite Reihe). Diesmal benutzte ich einen Fernauslöser. Die beiden besten Bilder, die ich erhalten habe, sind hier zu sehen; sie wurden nachbearbeitet. Alles in allem scheint es nicht einfach zu sein, scharfe Fotos mit dem Teleskop zu machen, vor allem, weil die Schärfentiefe so gering ist.

Als Spektiv mit 2"-auf-1,25"-Amici-Prisma

Mitte Oktober 2018 habe ich einige Fotoversuche mit dem neuen 2"-auf-1,25"-Amici-Prisma von Omegon unternommen. Hier sind einige Bildbeispiele! Insgesamt erscheint mir die Bildqualität diesmal besser zu sein (die Schärfentiefe ist sehr gering).

2500 Pixel 3200 Pixel
3200 Pixel 3200 Pixel
 
3200 Pixel  

Afokale Fotografie: Mond

Am 19.9.2018 habe ich in Sumène, Frankreich, Fotos nach der 1:50-Methode mit einem 7 mm UWA-Okular (Vergrößerung gut 60-fach) und der Panasonic TZ202 versucht. Das war sozusagen doppeltes Neuland, ein neues Teleskop und eine neue Kamera. Ich nahm zwei kurze Serien mit ISO 400 und manueller Scharfeinstellung auf, eine mit einer (äquivalenten) Brennweite von 24 mm und eine mit einer solchen von 28 mm. Hier sind zwei Beispielfotos, eines aus jeder Serie:

Mit 24 mm Brennweite (2000 Pixel) Mit 28 mm Brennweite (2000 Pixel)

Insgesamt zeigen sich vor allem am Mondrand leichte blaue Farbsäume. Außerdem scheint auch die Panasonic TZ202 wegen ihres Rauschverhaltens nicht die ideale Kamera für Astro-Fotos zu sein. Die zweite, mit 28 mm Brennweite aufgenommene Serie erwies sich im Nachhinein als unschärfer, vermutlich stimmte die Scharfeinstellung nicht ganz. Auf dem hier gezeigten 24 mm-Beispielfoto habe ich nach einigen kleinen Kratern gesucht, um das Auflösungsvermögen des Fotos zu bestimmen. Mit etwas gutem Willen ist vielleicht sogar ein Kater mit 5,1 km Durchmesser (Vierrier B) sichtbar. Doch ein Durchmesser von etwa 10 km dürfte ein realistischerer Schätzwert für die minimale Kratergröße sein. Einige Krater dieser Größe sind jedoch auf dem Foto nicht sichtbar, vielleicht verursacht durch Luftunruhe...

Fünf Krater mit Durchmessern zwischen 5,1 km und 25 km (2000 Pixel)
Die Krater von links nach rechts: Helicon (25 km), Le Verrier (20 km), Le Verrier B (5,1 km)???, Le Verrier D (9,1 km), Kirch (12 km)

Alles in allem liegt dieses Ergebnis im Rahmen dessen, was ich mit anderen Teleskopen und Kameras erreicht habe.

 

Erstes Fazit

Nach den ersten drei Beobachtungsnächten (September 2018) und einem Urlaub (September bis Angang Oktober 2018) kann ich vieleicht ein erstes, vorläufiges Fazit ziehen. Nach der Überwindung einiger Hindernisse und Probleme, die im wesentlichen durch ein ungünstiges Zusammenspiel von Zenitspiegel, 2"-auf-1,25"-Adpater und meinen Okularen verursacht wurden, gelang es mir, mit einem einfacheren Zenitspiegel eine "arbeitsfähige" Konfiguration zusammenzustellen, in der sogar mein 3-fach Fokalextender mitspielt (und mit ihm auch mein 10 mm-Okular). Leider hält jedoch der Sky-Watcher-Adapter von 2" auf 1,25" nicht sicher im 2"-Okularanschluss, so dass ich nach dem Urlaub einen 2"-Zenitspiegel mit zugehörigem Adapter auf 1,25" erworben habe. Dieser sitzt fest im Okularanschluß, so dass ich damit keine Probleme haben sollte. Für Tagesbeobachtungen habe ich zudem ein 2"-Amici-Prisma erworben, das auf 1,25" adaptiert.

Wenn ich das Bild scharf stellen kann, was manchmal etwas schwierig ist (siehe weiter unten), komme ich zu sehr zufriedenstellenden Ergebnissen: Sterne sind schön punktförmig, Details am Mond gut aufgelöst (besser als am Heritage 100P) und Deep-Sky-Objekte sehe ich fast genauso gut (oder genauso gut) wie im lichtstärkeren Heritage 100P. Inzwischen habe ich, vor allem im Urlaub schon eine ganze Reihe von DSOs beobachten können.

Die befürchteten Farbsäume mögen vorhanden sein, stören mich aber bisher nicht. Ihr Ausmaß hängt sicher vom Beobachtungsabjekt und von der eingesetzten Vergrößerung ab. Sie werden zudem umso geringer, je genauer man scharf stellt. Inzwischen habe ich am Mond, vor allem am Rand, visuell gelbe und fotografisch blaue Farbsäume gefunden.

Mankos sind für mich der fehlende Sucherschuh, der im Moment durch eine "Gummibandkonstruktion" ersetzt wird, und der Helikalfokussierer. Letzterer ist recht schwergängig, besonders der Ring für die Feineinstellung. Manchmal scheint der Fokussierer die "Orientierung" zu verlieren und ich muss die Fokussierung von vorn beginnen. Bei der Grobeinstellung scheint die Gummiarmierung manchmal durchzurutschen (oder der Fokussierer selbst rutscht durch). Bei der Feineinstellung habe ich zudem eine ausgesprochene Hysterese gefunden, die das genaue Scharfstellen erschwert und nervt. Nach Kontakt mit dem Händler habe ich einen Rücksendeschein erhalten und werde das Teleskop zum Umtausch oder zur Reparatur einsenden. Ich bin gespannt auf das Resultat!

 

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15.10.2018