Deep-Sky-Winterbeobachtungen Februar/März 2017

Beobachtungsbedingungen | Übersicht der Beobachtungen | Beobachtete Objekte | Anmerkungen | Referenzen

Von Mitte Februar bis Mitte März 2017 habe ich einfache "Deep-Sky-Winterbeobachtungen" unternommen, die vielleicht für andere Anfänger auch von Interesse sein könnten und deshalb hier beschrieben werden.

Liste der Beobachtungsobjekte (die Links führen zu Seiten, die die DSO beschreiben):

Die Beobachtungsobjekte habe ich größtenteils anhand meiner nach Jahreszeiten geordneten Liste von Deep-Sky-Objekten ausgewählt (die empfohlenen DSO).

Siehe auch die sich zeitlich anschließenden Deep-Sky-Winter-/Frühlingsbeobachtungen Ende März 2017 und Deep-Sky-Frühlings-/frühe Sommerbeobachtungen Mai 2017.

 

Beobachtungsbedingungen

Himmelsbereich und Objekte

Ich habe mich zunächst auf den Himmelsbereich um Gemini (Zwillinge), Orion, Auriga (Fuhrmann) und Taurus (Stier) beschränkt, weil dies alles in etwa in einer Richtung für mich lag (Südwesten bis Süden).

Auf meiner "Beoabachtungsliste" standen zunächst (13.2.): M 45 (Plejaden/Siebengestirn), Mel 25 (Hyaden), M 42/43 (Orionnebel) und M 78, M 35, M 1, M 36, M 37 und M 38. Am 14.2. habe ich zusätzlich nach M 44 und M 31 gesucht, am 15.2. zusätzlich zu diesen auch nach NGC 884/869. Ende Februar habe ich die Liste noch um etwa ein halbes Dutzend Deep-Sky-Objekte erweitert (u.a. M 41, M 81/82, NGC 2237/2244, and NGC 2264).

Übersichtskarte

Die folgende Karte zeigt in etwa den Himmelsbereich, den ich bei meinen Beobachtungen primär "abgegrast" habe:

Karte für größere Version anklicken - sie erscheint in einem neuen Fenster. Die angefahrenen Himmelsobjekte in diesem Bereich sind durch rote Punkte markiert.

Beobachtungszeit

Die Beobachtungen begannen jeden Tag mit der Venus (ab 18 Uhr), die in diesen Tagen sehr hell war. Und wie sich herausstellen sollte, war sie (trotz der enormen Helligkeit!) in den Teleskopen als Sichel zu sehen. Dies ist auf der Seite Venussichel 2017 beschrieben (für den 13.2.). Für die Deep-Sky-Objekte wurde es erst ab etwa 19 Uhr ausreichend dunkel.

Beobachtungsort

Alle Beobachtungen wurden in Mühlhausen/Kraichgau (Deutschland) durchgeführt:

Allgemeine Bedingungen

Der Anfang der Beobachtungen lag zwei bis vier Tage nach Vollmond, doch weil die Beobachtungen etwa zwischen 18 und 20-21 Uhr stattfanden, hatte der Mond noch keinen großen Einfluß auf die Beobachtungsbedingungen. Ende Februar ging es schon über den Neumond (26.2.) hinweg, und der Mond spielte keine Rolle bei den Beobachtungen. Anfang März (2.3.) kehrte der Mond zurück und nahm beständig zu und erschwerte damit zunehmend auch das Beobachten. Mitte März nahm den Mond wieder ab und kam spät, so dass es nicht mehr störte.

Generell ist der Himmel über Mühlhausen/Kraichgau eher "lichtverschmutzt" und lädt nicht dazu gerade ein, nach Deep-Sky-Objekten zu suchen. Dies ist sicher mit ein Grund, warum ich einige der Deep-Sky-Objekte, die ich beobachten wollte, nur manchmal oder auch gar nicht gefunden habe.

 

Übersicht der Beobachtungen

Beobachtungstermine

Datum Beobachtete Objekte Weitere Beobachtungen und Anmerkungen Benutzte Geräte Benutzte Okulare Allgemeine Anmerkungen
13.2.

GE: M 42/43 (Orionnebel)
OS: M 45 (Plejaden / Siebengestirn), Mel 25 (Hyaden), M 35, M 36, M 37 und M 38

M 1 und M 78 nicht gefunden Sky-Watcher Heritage 100P-Teleskop (4" Dobson), einige Objekte mit Sky-Watcher Skymax 102 (4" Maksutov-Cassegrain); 10 x 25-Fernglas (wahrlich kein Nachtglas) meistens ein 32 mm Plössl, manchmal ein 16 mm UWA

 

Für die Venus habe ich beide Teleskope und natürlich auch stärker vergrößernde Okulare verwendet, denn sonst hätte ich die Sichel nicht erkennen können (dachte ich; tatsächlich konnte ich die Sichel später in kleinen Teleskopen sogar schon mit 32 mm erahnen).
14.2.

Dieselben Deep-Sky-Objekte, plus:
G: M 31
OS: M 44 (Praesepe)

Zusätzlich habe ich mit dem Fernglas auch noch in Richtung Andromeda-Galaxie (M 31, zwischen Cassiopeia und Andromeda, im Westen) sowie Preaepe im Krebs (M 44, im Osten) geschaut. GSO GSD 680-Teleskop (8" Dobson) mit Lichtpunktsucher; Fernglas 32 mm, 16 mm UWA An diesem Tag (14.2.) wiederholte ich die Beoabachtungen mit meinem GSO GSD 680-Teleskop (8" Dobson), um zu prüfen (1) ob ich mit diesem größeren Teleskop Objekte finden würde, die ich mit dem 100P nicht finden konnte, und (2) wie die am Vortag gefundenen Objekte im größeren Teleskop aussehen würden.
15.2.

Dieselben Deep-Sky-Objekte, plus:
G: M 31
OS: M 44, NGC 884/869

Neben den Ausflügen zu Prasespe (M 44) und Andromeda-Galaxie (M 31) folgte noch ein Ausflug zum Perseus-Doppelsternhaufen (NGC 884/869, zwischen Cassiopeia und Perseus, nahe dem Zenit). Sky-Watcher Heritage 100P auf Sky-Watcher Star Discovery AZ GoTo-Montierung; Fernglas 32 mm Plössl, 16 mm UWA, and 7 mm UWA Ich hoffte (1) die Objekte schneller finden zu können und (2) zu klären, welche Objekte ich vielleicht nicht gefunden habe, weil ich an der falschen Stelle nach ihnen suchte (in der Hoffnung, dass die GoTo-Steuerung korrekt arbeiten würde...).
18.2.

GE: M 1 (Krabbennebel)
GE: M 42/3
G: M 31
OS: NGC 884/869, M 45, M 35

M 1 nun gefunden! M 42/3 gut wie noch nie zuvor gesehen! GSO GSD 680 mit Telrad-Sucher 32 mm Plössl, 16 mm UWA, 7 mm UWA Telrad-Sucher an diesem Tag um Tauschutzkappe mit integriertem 90°-Spiegel sowie einer 5 cm-Basiserhöhung erweitert
26.2

GE: M 1
GR: M 78
GE: M 42/3
G: M 31
OS: M 45, M 35, M 36, M 37, M 38

M 78 endlich gefunden! Sky-Watcher Heritage P130-Teleskop (5" Dobson) auf GoTo-Montierung 32 mm Plössl, 16 mm UWA, 7 mm UWA, 6 mm Planetary, 4 mm UWA

 

 

2.3.

GE/OS: NGC 2237/2244 (Rosettennebel)
G: M 81/82 (Bode-Galaxien)
OS: M 41, NGC 2264 (Weihnachtsbaum-Haufen)

außerdem M 42/3, M 44, M 45 gesehen Sky-Watcher Heritage P130 auf GoTo-Montierung 32 mm Plössl, 16 mm UWA, 7 mm UWA Am 2.3. besuchte ich endlich die auf meiner Beobachtungsliste verbliebenen Objekte.
16.3. GE: M 42/3
G: M 31
OS: M 45, M 35, M 36, M 37, M 38
außerdem M 44, NGC 884/869 gesehen; M 31 war sehr schwach; M 1 und M 78 nicht gefunden Sky-Watcher Heritage P130 auf GoTo-Montierung 16 mm UWA, 4 mm UWA (nur Venus) Am 16.3. wiederholte ich die Beobachtung einiger Objekte.

Fett: Erster Fund während dieser Beobachtungsperiode; alle Beobachtungen in Mühlhausen/Kraichgau; GE: Galaktischer Emissionsnebel, GR: Galaktischer Reflexionsnebel, PN = planetarischer Nebel, G = Galaxie, OS = offener Sternhaufen, KS = Kugelsternhaufen

Beobachtungsobjekte (meistens die gefundenen...)

Details sind über die Links zu dem betreffenden Deep-Sky-Objekten zu erhalten.

DSO-Details Name Sternbild Typ Bino* 100P 100P GT P130 GT GSD 680 Bemerkungen
M 42/43 Orionnebel Orion GE ja ja ja ja ja teilweise sehr schön
M 78   Orion GR   -- -- ja ??? sehr schwach, mit 100P nicht gefd.
M 31 Andromeda Galaxie Andromeda G ja   ja ja ja relativ schwach im Westen
M 35   Gemini OS     ja ja ja viele Sterne
M 36   Auriga OS   ja ja ja ja der hellste Haufen von M 36-38
M 37   Auriga OS     ja ja ja  
M 38   Auriga OS   ja ja ja    
M 44 Praesepe Cancer OS ja   ja ja   ungünstig für mich gelegen
M 1 Krabbennebel Taurus GE   -- -- ja ja sehr schwach, mit 100P nicht gefd.
M 45 Plejaden Taurus OS ja ja ja ja ja groß
Mel 25 Hyaden Taurus OS ja ja ja ja ja sehr groß
NGC  884/869 P. Doppelsternhauf. Perseus OS ja **   ja ja im Westen, sehr hoch
M 41   Canis Major OS       ja    
M 81/82   Ursa Major G       ja   sehr schwach
NGC 2237/2244 Rosettennebel Monoceros GE       ja   nur Sternhaufen gesehen
NGC 2264 Weihnachtsbaumhauf. Monoceros OS       ja   Weihnachtsbaum nicht erkannt...

*) 10 x 25 Fernglas; ** in Frankreich im Herbst 2016 gefunden; GE = galaktischer Emissionsnebel, GR = galaktischer Reflexionsnebel, G = Galaxie, OS = offener Sternhaufen, KS = Kugelsternhaufen

 

Anmerkungen

Vorbereitung

Bei der Suche nach Deep-Sky-Objekten ist eine gute Vorbereitung wichtig - das liest man, und ich kann es auch bestätigen. "Gute Vorbereitung" heißt im wesentlichen, sich eine Liste der Objekte zusammenzustellen, die man beoabachten möchte - und dazu Hinweise, wo und wie die Objekte zu finden sind. Wenn man, so wie ich es diesmal gemacht habe, drei Tage hintereinander dieselben Objekte beobachtet, stellt sich zudem eine gewisse Routine ein und das erneute Aufsuchen der Objekte geht schneller und sicherer. Irgendwann mag sich dann auch Langeweile einstellen, aber das ist erst recht der Fall, wenn man sich nicht vorbereitet und immer nur dieselben "Paradeobjekte" beobachtet...

Ist es das oder ist es das nicht?

Wenn man sein Teleskop mit Hilfe des Leuchtpunktsuchers in etwa auf die gewünschte Himmelsgegend ausgerichtet hat, ins Okular schaut und nichts oder nur "Nebulöses", aber nicht ungedingt nebelartiges sieht, stellt sich natürlich die Frage: Ist der Himmel zu lichtverschmutzt, als dass man das Objekt erkennen kann oder hat man das Objekt nicht korrekt angefahren? Diese Frage habe ich bei manchen Objekten auch nach mehrmaligen Versuchen am ersten Beobachtungstag nicht klären können.

Deshalb habe ich die Exkursion des ersten Tages an den darauffolgenden Tagen noch auf zwei andere Arten wiederholt: Zum einem mit meinem 8"-Dobson (GSO GSD 680) und zum anderen mit meiner Sky-Watcher Synscan AZ GoTo-Steuerung und dem Sky-Watcher Heritage 100P. Im ersteren Fall sollte das eine oder andere Objekt, das mit dem 100P nicht zu sehen war, wegen der höheren Lichtsammelleistung des 8"-Teleskops zu sehen sein, wenn es korrekt angefahren ist. Im zweiten Fall sollten die Objekte dank GoTo-Steuerung korrekt angefahren werden (das klappt auch nicht immer...). Wenn ich dann trotzdem nichts im Okular erkennen sollte, ist halt mit diesem Teleskop unter den gegebenen Bedingungen "nicht mehr drin"...

Die Ergebnisse oben zeigen, dass vor allem im Falle von M 35, M 36, M 37 und M 38 etwas mehr Klarheit in diese Fragen gebracht werden konnte. Ebenso blieben M 78 und M 1 in allen Fällen unbeobachtbar (dachte ich), was nahelegt, dass die Lichtbedingungen nicht gut genug für diese Objekte waren. Am letzten Beobachtungstag konnte ich dann aber M 1 doch mit meinem größten Teleskop finden.

Gummimenschen gesucht!

Einige Objekte (M 35, M 36-38) lagen so hoch am Himmel, dass ich Mühe hatte, sie mit dem Leuchtpunktsucher zu finden. Ich musste, sozusagen, "unter" das Teleskop kriechen, um den roten Punkt im Sucher erkennen zu können. Ein etwas höherer Tisch hätte vielleicht geholfen, aber auch das stößt an Grenzen - und wenn er zu hoch ist, gibt es Probleme mit dem seitlichen Einblick ins Okular. Ein Winkelsucher muss also her! Ich habe im Internet geschaut, ob es überhaupt Winkelsucher gibt, die nur mit Leuchtpunkt und ohne Vergrößerung arbeiten. Anscheinend gibt es das nur für den Telrad-Sucher - oder für fast 300 EUR von TeleVue, aber da passen der Fuss - und der Preis - nicht. Der Telrad-Winkelsucher mit Tauschutz ist inzwischen eingetroffen und ich habe ihn am 18.2.2017 zum ersten Mal ausprobiert. Begeistert bin ich bisher nicht...

Diese Probleme habe ich zum Glück nicht, wenn ich die GoTo-Steuerung einsetze - da muss ich mich höchstens für die Justiersterne verrenken, aber es gibt ja mehrere Sterne zur Auswahl... Deshalb konnte ich damit alle diese Objekte und auch den Perseus-Doppelsternhaufen am dritten Tag ohne Probleme anfahren.

GoTo: Treffgenauigkeit?

Mit der Sky-Watcher Star Discovery AZ GoTo-Montierung habe ich schon sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, was die Treffgenauigkeit angeht. Das hängt sicher von der Genauigkeit ab, mit der das Stativ aufgestellt wird, der Genauigkeit von Zeit- und Ortsangaben, aber auch der Genauigkeit, mit der das Teleskop auf die Justiersterne ausgerichet wird (das Objekt sollte "mittig" im Okular erscheinen; das dafür angeschaffte Fadenkreuzokular vergrößert für meinen Geschmack zu stark, so dass ich dann doch "normale" langbrennweitige Okulare verwende). Möglichweise spielt auch die Lage der Justiersterne am Himmel, auch zueinander, eine Rolle.

Bisher habe ich es mit all diesen Dingen mehr oder weniger genau genommen und deshalb eben auch auch sehr unterschiedliche Erfahrungen gesammelt: An manchen Tagen klappte es wunderbar, an anderen Tagen gab es nur Frust. Ich denke, dass das verwendete Teleskop, sprich die verwendete Vergrößerung, eine wichtige Rolle spielt, ebenso wie die Lage der Objekte die man anfährt, sprich, ob sie relativ nahe beieinander liegen oder diametral entgegengesetzt am Himmel stehen.

Ich möchte dieses Thema hier nicht weiter vertiefen, sondern nur mitteilen, dass ich diesmal keine großen Probleme hatte, auch wenn ich die Objekte im Okular oft ein bisschen "nach unten" bewegen musste. Man kann die Ausrichtung ein wenig verbessern, wenn man das Teleskop über die Astronomie-App SkySafari für das iPad und mit SkyWire steuert. Aber weil ich die Namen der Objekte alle auswendig kannte, habe ich darauf verzichtet, die Steuerung an das iPad anzuschließen. Es ging auch so zufriedenstellend...

 

Referenzen

Alle Sternkarten wurden mit SkySafari Plus/Pro für Apple Macintosh erzeugt.

Bücher

Von dieser Website

 

An den Anfang   Homepage  

gerd (at) waloszek (dot) de

Über mich
made by walodesign on a mac!
18.02.2018