Deep-Sky-Winterbeobachtungen Februar/März 2017

Rahmenbedingungen | Übersichtskarte | Plejaden (M 45) und Hyaden (Mel 25) | Orion: Orionnebel (M 42/43) und M 78 | Gemini: M 35 | Taurus: M 1 | Auriga: M 36, M 37, M 38 | Cancer/Krebs: M 44 | Andromeda: M31 | Perseus: NGC 884/869 Doppelsternhaufen | M 41 | M 81/82 (Bode-Galaxien) | NGC 2237/2244 (Rosettennebel) | NGC 2264 (Weihnachtsbaum-Haufen) | Anmerkungen | Referenzen

Von Mitte Februar bis Mitte März 2017 habe ich einfache "Deep-Sky-Winterbeobachtungen" unternommen, die vielleicht für andere Anfänger auch von Interesse sein könnten und deshalb hier beschrieben werden:

Die Beobachtungsobjekte habe ich größtenteils anhand meiner kurzen, nach Jahreszeiten geordneten Liste von Deep-Sky-Objekten ausgewählt.

 

Rahmenbedingungen

Himmelsbereich und Objekte

Ich habe mich zunächst auf den Himmelsbereich um Gemini (Zwillinge), Orion, Auriga (Fuhrmann) und Taurus (Stier) beschränkt, weil dies alles in etwa in einer Richtung für mich lag (Südwesten bis Süden). Auf meiner "Beoabachtungsliste" standen zunächst: M 45 (Plejaden/Siebengestirn), Mel 25 (Hyaden), M 42/43 (Orionnebel) und M 78, M 35, M 1, M 36, M 37 und M 38. Am 14.2. habe ich zusätzlich nach M 44 und M 31 gesucht, am 15.2. zusätzlich zu diesen auch nach NGC 884/869. Ende Februar habe ich die Liste noch um etwa ein halbes Dutzend Deep-Sky-Objekte erweitert.

Details:

Kurzübersicht der Beobachtungsfunde

DSO Name Sternbild Bino* 100P 100P GT P130 GT GSD 680 Bemerkungen Skizze+
M 1   Taurus   -- -- ja ja sehr schwach, mit 100P nicht gefd. ja
M 31 Andromeda Galaxie Andromeda ja   ja ja ja relativ schwach im Westen ja
M 35   Gemini     ja ja ja viele Sterne ja
M 36   Auriga   ja ja ja ja der hellste Haufen von M 36-38  
M 37   Auriga     ja ja ja    
M 38   Auriga   ja ja ja      
M 42/43 Orionnebel Orion ja ja ja ja ja teilweise sehr schön ja
M 44 Praesepe Cancer ja   ja ja   ungünstig für mich gelegen  
M 45 Plejaden Taurus ja ja ja ja ja groß  
M 78   Orion   -- -- ja ??? sehr schwach, mit 100P nicht gefd. ja
Mel 25 Hyaden Taurus ja ja ja ja ja sehr groß  
NGC  884/869 P. Doppelsternhauf. Perseus ja **   ja ja im Westen, sehr hoch ja
M 41   Canis Major       ja      
M 81/82   Ursa Major       ja   sehr schwach Link
NGC 2237/2244 Rosettennebel Monoceros       ja   nur Sternhaufen gesehen  
NGC 2264 Weihnachtsbaumneb. Monoceros       ja   Weihnachtsbaum nicht erkannt...  

*) 8 x 20 Fernglas; +) Skizzen von Michael Vlasov, DeepSkyWatch.com; ** in Frankreich im Herbst 2016 gefunden

Beobachtungszeit

Die Beobachtungen begannen jeden Tag mit der Venus (ab 18 Uhr), die in diesen Tagen sehr hell war. Und wie sich herausstellen sollte, war sie (trotz der enormen Helligkeit!) in den Teleskopen als Sichel zu sehen. Dies ist auf der Seite Venussichel 2017 beschrieben (für den 13.2.). Für die Deep-Sky-Objekte wurde es erst ab etwa 19 Uhr ausreichend dunkel.

Verwendete Geräte

Am ersten Tag (13.2.) habe ich primär mit meinem Sky-Watcher Heritage 100P-Teleskop (4" Dobson) mit Leuchtpunktsucher beobachtet, einige Objekte auch mit meinem Sky-Watcher Skymax 102 (4" Maksutov-Cassegrain). Als Okularbrennweite habe ich meistens 32 mm (Plössl), manchmal auch 16 mm (Ultraweitwinkel) verwendet, um einen möglichst großen Himmelsausschnitt sehen zu können. Dazu habe ich noch mein 10 x 20 Fernglas eingesetzt, das wahrlich kein Nachtglas ist. Für die Venus habe ich beide Teleskope und natürlich auch stärker vergrößernde Okulare verwendet, denn sonst hätte ich die Sichel nicht erkennen können (dachte ich; tatsächlich konnte ich die Sichel später in kleinen Teleskopen sogar schon mit 32 mm erahnen).

Am zweiten Tag (14.2.) habe ich das GSO GSD 680-Teleskop (8" Dobson) mit Leuchtpunkt-Sucher und 32 mm- und 16 mm-Okularen für die Deep-Sky-Objekte verwendet, dazu noch das Fernglas.

Am dritten Tag (15.2.) habe ich das Sky-Watcher Heritage 100P-Teleskop (4" Dobson) auf die Sky-Watcher Star Discovery AZ GoTo-Montierung gesetzt und Okulare mit 32 mm, 16 mm und 7 mm (auch UWA) Brennweite verwendet, dazu noch das Fernglas.

Am 18.2. habe ich wieder mein GSO GSD 680-Teleskop (8" Dobson) herausgeholt, diesmal mit Telrad-Sucher, den ich an diesem Tag um Tauschutzkappe mit integriertem 90°-Spiegel sowie einer 5 cm-Basiserhöhung erweitert hatte. Als Okularbrennweiten verwendete ich 32 mm, 16 mm und 7 mm.

Am 26.2. habe ich das Sky-Watcher Heritage P130-Teleskop (5" Dobson) auf die Sky-Watcher Star Discovery AZ GoTo-Montierung gesetzt und Okulare mit 32 mm, 16 mm, 7 mm, 6 mm und 4 mm Brennweite verwendet.

Am 2.3. habe ich wieder mein Sky-Watcher Heritage P130-Teleskop (5" Dobson) auf die Sky-Watcher Star Discovery AZ GoTo-Montierung gesetzt und Okulare mit 32 mm, 16 mm und 7 mm Brennweite verwendet.

Am 15.3. habe ich noch einmal mein Sky-Watcher Heritage P130-Teleskop (5" Dobson) auf die Sky-Watcher Star Discovery AZ GoTo-Montierung gesetzt und Okulare mit 16 mm und 4 mm (nur Venus) Brennweite verwendet.

Allgemeine Bedingungen

Der Anfang der Beobachtungen lag zwei bis vier Tage nach Vollmond, doch weil die Beoabachtungen etwa zwischen 18 und 20-21 Uhr stattfanden, hatte der Mond noch keinen großen Einfluß auf die Beobachtungsbedingungen. Ende Februar ging es schon über den Neumond (26.2.) hinweg, und der Mond spielte keine Rolle bei den Beobachtungen. Anfang März (2.3.) kehrte der Mond zurück und nahm beständig zu und erschwerte damit zunehmend auch das Beobachten. Mitte März nahm den Mond wieder ab und kam spät, so dass es nicht mehr störte.

Generell ist der Himmel über Mühlhausen eher "lichtverschmutzt" und lädt nicht dazu gerade ein, nach Deep-Sky-Objekten zu suchen. Dies ist sicher mit ein Grund, warum ich einige der Deep-Sky-Objekte, die ich beobachten wollte, nur manchmal oder auch gar nicht gefunden habe.

 

Übersichtskarte

Die folgende Karte zeigt in etwa den Himmelsbereich, den ich bei meinen Beobachtungen primär "abgegrast" habe:

Karte für größere Version anklicken - sie erscheint in einem neuen Fenster

Die angefahrenen Himmelsobjekte in diesem Bereich sind durch rote Punkte markiert.

 

Plejaden (M 45) und Hyaden (Mel 25)

Die Plejaden (M 45, Siebengestirn) im Taurus/Stier kenne ich schon seit meiner Kindheit. Sie zu finden, stellte also kein Problem für mich dar, zumal sie sind bereits mit bloßem Auge gut zu erkennen sind. Sie sind auch ein schönes Objekt im Feldstecher. Im Teleskop, zum Beispiel meinem 4" Heritage 100P, sieht man natürlich noch mehr Sterne, die geradezu funkeln. Der Anblick im GSD 680 8"-Teleskop (am zweiten Tag) war für mich erwartungsgemäß noch beeindruckender als der im 4"-Teleskop (am ersten/dritten Tag). Dies galt auch mehr oder weniger für das Heritage P130 (26.2., 2.3.).

Die Hyaden (Mel 25) im Taurus/Stier habe ich erst in im Winter 2016/17 richtig kennengelernt. Sie bilden grob ein Dreieck, an dem man sich orientieren kann. Man findet sie im Februar zum Beispiel, indem man von den Plejaden ausgeht und ein Stück nach links unten wandert bis man zu einem auffällig gelbem Stern gelangt. Das ist Aldebaran im Taurus/Stier, der den unteren Schenkel des Hyadendreicks links begrenzt. Man kann dann nach rechts bis zur rechten Spitze des Dreickes weitergehen und dem anderen Schenkels wieder nach links oben folgen. Die Hyaden (5° x 4°) passen gerade in das Sichtfeld eines Opernglases, habe ich gelesen (ich besitze keines...), und sind in meinen Teleskopen und meinem Fernglas deshalb nicht vollständig zu überblicken. Dabei zeigte das GSD 680 entsprechend der dreifach höheren Vergrößerung natürlich einen noch kleineren Ausschnitt, so dass ich den Anblick im 4"-Teleskop vorziehe. Das Heritage P130 (26.2.) lag naturgemäß dazwischen..

    
Plejaden  

Hyaden (groß)

 

Orion: Orionnebel (M 42/43) und M 78

Der Orion ist vermutlich eines der Sternbilder, die fast jeder kennt. Auch sein Gürtel ist gut bekannt, sein Schwert wahrscheinlich weniger und auch nicht so gut zu sehen wie der Gürtel. Aber genau mitten in diesem befinden sich der Orionnebel M 42 (galaktischer Emissionsnebel) und sein "Anhang" M 43.

Man sagt, dass der Orionnebel mit bloßem Auge zu sehen sein soll. Das hängt sicher von den Bedingungen ab, aber das Schwert kann man auf jeden Fall schimmern sehen, wenn es dunkel genug geworden ist. Was davon dann genau der Nebel ist, ist für mich schwer zu sagen... Mit dem Fernglas kann man den Nebel bereits gut erkennen und darin einige helle Sterne (das Trapez). Das gleiche gilt natürlich auch für kleine (und größere) Teleskope. Nicht ganz unerwartet erschien mir der Orionnebel im 8"-Dobson-Teleskop am schönsten. Aber am 18. Februar erschien er mit diesem Teleskop so detailliert und schön wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte. Auch der Anblick mit dem Heritage P130 (mit GoTo) war sehr schön (26.2., Neumond).

Das Trapez (siehe Skizze weiter unten), ein Anordnung von 4 eng beieinander stehenden Sternen im Zentrum des Nebels, habe ich aber erst bei stärkeren Vergrößerungen auflösen können.

Vereinfacht gesagt, hat der Orionnebel etwa die gleiche Ausdehnung wie Mond oder Sonne (25' x 30'). Wie ausgedehnt er tatsächlich erscheint, hängt zum einen von den Sichtbedingungen und zum anderen von der Dunkeladaption der eigenen Augen ab. Oft gehe ich aus unterschiedlichen Gründen zwischendurch wieder ins Hellere und zerstöre mir so die mühsam aufgebaute Adaption...

Als ich die GoTo-Steuerung zum ersten Mal verwendet habe, habe ich M 42 als "Startobjekt" und zwischendurch immer wieder benutzt, um zu prüfen, ob die Justierung der Steuerung noch stimmt.

M 42 und M 43 im Schwert des Orion; M 78 (oben links) steht zwischen Alnitak und Betelgeuse

Die Skizze von Michael Vlasov (DeepSkyWatch.com) zeigt einen ungefähren Eindruck von dem, was ich sah (aber viel schwächer als die Skizze):

Skizze des Orion-Nebels von Michael Vlasov (Copyright © Michael Vlasov 2016) - gezeigt mit Erlaubnis des Autors

Der galaktische Reflektionsnebel M 78 im Orion steht zwar nicht auf meiner "Winterliste" (er hat nur einen "Stern" in der Bewertung...), aber weil er einfach aufzusuchen schien, habe ich auch nach ihm Ausschau gehalten. Er liegt auf 1/4 des Weges vom linken Gürtelstern Alnitak (den Namen braucht man sich nicht zu merken...) zum auffälligen linken "Schulterstern" Betelgeuse und einen kleinen Tuck außerhalb (oder nach links...) des Orionkörpers.

Nun ja, alles Suchen schien vergebens - ich habe M 78 weder mit dem Fernglas noch mit dem kleinen 100P-Dobson-Teleskop (auch nicht mit GoTo-Steuerung) sehen können. Mit dem größeren 8"-Dobson-Teleskop habe ich M 78 und einen Nachbarnebel vielleicht erahnt, würde das aber nicht "gefunden" nennen wollen... Am 26.2. (Neumond) schließlich habe ich tatsächlich einen schwachen Schimmer von M 78 mit meinem Heritage P130 (5" Dobson) mit GoTo-Montierung erhascht (und folgere daraus, dass das mit dem GSD 680 auch schon der Fall war).

Einen ungefähren Eindruck von dem, was ich hätte sehen sollen und vielleicht auch gesehen habe, zeigt die Skizze von Michael Vlasov (DeepSkyWatch.com):

Skizze des M 78-Nebels von Michael Vlasov (Copyright © Michael Vlasov 2016) - gezeigt mit Erlaubnis des Autors

 

Gemini: M 35

Sternbilder sind willkürliche Muster am Himmel, die ich mir wegen ihrer Beliebigkeit schlecht merken kann. Besser klappt das mit einfachen Sternmustern, im Englischen "asterisms" genannt, (der große Wagen, das Sommerdreieck, ...) oder mit prägnanten Sternen (Vega, Sirius, Aldebaran, ...).

Das Sternbild Gemini/Zwillinge kannte ich bisher nicht, aber vor kurzem hat mich ein Freund auf das Sternenpaar Castor und Pollux aufmerksam gemacht, das sich am Nachthimmel leicht auffinden läßt. Die alte Form des Sternbildes Zwilling erinnert mich an eine auf der Seite liegendes Gefäß. Deshalb kann ich sie mir merken und zum Auffinden des offenen Sternhaufens M 35 verwenden, der angeblich sogar mit bloßem Auge zu sehen sein soll. M 35 befindet sich allerdings auf der entgegengesetzten, rechten (offenen) Seite des Gefäßes oberhalb des letzten Sternes des Sternbildes (der etwas "nach oben abbiegt" = die "Tülle").

M 35 über dem rechten oberen Ende von Gemini/Zwillinge

Es gibt noch einen dritten Stern auf dieser Linie, aber der ist etwas schwächer und gehört nicht mehr zum Sternbild Zwillinge. Wenn man von ihm aus ein kleines Stück nach links geht, sollte man den Sternhaufen M 35 finden (etwa oberhalb des Endsterns). "Sollte", weil ich trotz vieler Bemühungen mit Heritage 100P und Fernglas am ersten Tag nicht sicher war, M 35 tatsächlich gefunden zu haben. Es schimmerte etwas in der Gegend, aber das hätte auch ein Bestandteil der Milchstraße sein können, die dort entlang läuft... Mit dem 8"-Dobson habe ich M 35 aber am nächsten Tag gut gefunden. Der offene Haufen war sehr schön und zeigte sehr viele Sterne (er soll im Winter der offene Haufen mit den meisten Sternen sein). Evtl. hatte ich mit dem Heritage 100P an der falschen Stelle gesucht...

Als ich das 100P auf der GoTo-Steuerung betrieb, konnte ich M 35 natürlich direkt anfahren und habe den Sternhaufen auch gefunden. Anfangs war er kaum zu sehen, weil es noch zu hell war, später erschien er aber auch im kleinen Heritage 100P sternreich und schön (auch mit 7 mm-Okular).

Am 18.2. suchte ich M 35 noch einmal mit dem GSD 680 auf, und damit erschien er wieder sehr sternreich und schön. Auch der Anblick mit dem Heritage P130 (5", mit GoTo) am 26.2. war sehr schön (Neumond).

Die Skizze von Michael Vlasov (DeepSkyWatch.com) zeigt einen ungefähren Eindruck von dem, was ich sah (aber viel schwächer als die Skizze):

Skizze des M35-Nebels von Michael Vlasov (Copyright © Michael Vlasov 2016) - gezeigt mit Erlaubnis des Autors

 

Taurus: M 1

Taurus/Stier ist ein weiteres Sternbild, das ich bisher nur vom Namen her kannte. Dank der Hyaden (Mel 25) ist es mir nun etwas vertrauter geworden - zumindest sein Stern Aldebaran, der auffällig gelb (oder golden) schimmert.

Während die Hyaden im Zentrum des Stiers liegen, befindet sich der galaktische Emissionsnebel M 1 (NGC 1952), auch Crab- oder Krabbennebel genannt, an seinem linken Ende und ein wenig oberhalb des Endsternes zeta Tauri. M 1 ist mit 5' x 4' nicht groß, aber hat es immerhin zu einer "drei-Sterne-Bewertung" gebracht. Das ändert allerdings leider nichts daran, dass ich ihn anfangs nicht finden konnte (Fernglas, 100P). Aber vielleicht habe ich bei diesem Nebel wirklich "danebengelegen", und es lag nicht am Nebel selbst. Mit dem GSD 680 8"-Dobson habe ich M 1 am nächsten Tage auch nicht gefunden. Und das gleiche gilt für das Heritage 100P auf der GoTo-Steuerung: Es war nichts zu sehen! Ich nehme also an, dass die Lichtverschmutzung hier bei uns zu hoch ist, um M 1 erkennen zu können.

Am 18.2. suchte ich M 1 noch einmal mit dem GSD 680 auf, und damit konnte ich diesmal zumindest einen schwachen Schimmer erkennen - und das reproduzierbar! Das gleiche gelang noch einmal mit dem Heritage P130 (mit GoTo) am 26.2., als Neumond war.

M 1 (Crab-Nebel, Krabbenebel) zwischen Gemini/Zwillinge und Taurus/Stier und unter Elnath in Auriga/Fuhrmann

Die Skizze von Michael Vlasov (DeepSkyWatch.com) zeigt einen ungefähren Eindruck von dem, was ich sah (aber viel schwächer als die Skizze):

Skizze des Krabben-Nebels von Michael Vlasov (Copyright © Michael Vlasov 2016) - gezeigt mit Erlaubnis des Autors

 

Auriga: M 36, M 37, M 38

Auch der Fuhrmann/Auriga (Hauptstern Capella) gehört zu den mir bisher unbekannten Sternbildern. Es bildet im Kern, wenn man es genau nimmt, ein Sechseck, aber vermutlich wird man eher ein Fünfeck wahrnehmen... Das ist ein recht auffälliges Muster, aber es steht im Februar sehr hoch, so dass man schon steil nach oben schauen muss, um es erkennen zu können. Vielleicht ist das ein Grund für seine Unbekanntheit (bei mir)...

Im Fuhrmann gibt es drei auffälligere Messier-Objekte, die offenen Sternhaufen M 36, M 37 und M 38. Sie stehen fast auf einer Linie, die von außen in das Sechseck hineinragt, wobei die genaue Reihenfolge M 37 (draußen) - M 36 (drinnen) - M 38 (weiter drinnen) ist.

M37, M 36 und M 38 in Auriga/Fuhrmann mit Umgebung zum besseren Auffinden (große Version)

Ich habe am ersten Tag mit dem Heritage 100P nach allen drei Sternhaufen gesucht, und zwei wohl zweifelsfrei gefunden, nämlich die innen liegenden Haufen M 36 (der als der schönste gilt und deshalb wohl die "36" erhalten hat) und M 38. M 36 konnte ich auch am besten und reproduzierbar wiederfinden, bei M 38 hatte ich bereits etwas Probleme. M 37 konnte ich aber trotz aller Anstrengungen nicht finden. Ob es an der falschen Ausrichtung des Teleskops lag, weiß ich nicht. Es war jedenfalls für mich sehr schwer, den Leuchtpunktsucher auf diese drei Ziele auszurichten, weil sie so hoch am Himmel standen. Ich habe es deshalb eher auf "gut Glück" probiert. Hier hätte mir ein Winkelsucher sicher gute Dienste geleistet!

Die Versuche mit dem GSD 680 (8" Dobson) am nächsten Tag zeigten ein umgekehrtes Muster: Ich habe M 38 nicht gefunden, aber dafür M 37 und M 36. M 37 erschien mir diesmal schöner und M 36 nicht ganz so schön. Am dritten Tag habe ich mit dem Heritage 100P auf der GoTo-Steuerung alle drei offenen Sternhaufen gefunden. Diesmal lautete das Urteil: M 36 erschien mir am schönsten, M 38 am zweitbesten, und M 37 war etwas schwächer als die beiden anderen Sternhaufen zu sehen...

Am 26.2. (Neumond) habe ich noch einmal mit dem Heritage P130 auf der GoTo-Montierung alle drei offenen Sternhaufen angefahren und sie auch alle gefunden. M 36 war am kleinsten aber hellsten mit vergleichsweise wenigen Sternen, M 37 relativ schwach und bei kleiner Vergrößerung fast nur noch ein Schimmer und M 38 war am größten, aber auch schwächer als M 36.

Die Sichtbarkeit und Beurteilung der drei Sternhaufen schwankte also ziemlich, aber zumindest kann man festhalten, dass alle drei Sternhaufen auch mit einem 4"-Teleskop mehr oder weniger gut zu sehen waren.

 

Cancer: M 44

Auch der Cancer/Krebs gehört nicht zu den Sternbildern, die ich wirklich kenne. Und vom offenen Sternhaufe Praesepe (M 44), 70' groß, auch Krippe oder Bienenstock genannt, hatte ich vorher auch noch nichts gehört. Praesepe lag mehr im Osten, dabei relativ niedrig und war von meiner Terrasse aus nicht zu sehen (so glaubte ich zumindest...). Deshalb habe ich am ersten Tag auch keinen Beobachtungsversuch unternommen. Am 14.2. bin ich auf den Balkon gegangen und habe Praesepe mit dem Fernglas gefunden. Sie liegt ungefähr am Kreuzungspunkt der Linien, die von Castor/Pollux und von Procyon ausgehen, und war im Fernglas relativ schwach zu sehen - fast wie ein Nebel, aber kleine Sternenpünktchen waren erkennbar.

Am dritten Tag habe ich die auf der Terrasse stehende GoTo-Steuerung mit 100P einfach mal auf M 44 eingestellt - und siehe da, Praesepe war durch eine Lücke zu sehen. Eine Zeitlang war es noch möglich, dies zu wiederholen, aber später war M 44 verdeckt und nicht mehr zu sehen. Ich erinnere leider nur noch, dass ich Einzelsterne sehen konnte und nicht den nebelartige Eindruck wie im Fernglas hatte. Vielleicht war in dieser Himmelsregion auch schon der Einfluß des aufgehenden Mondes zu spüren.

Am 3. März fing ich mit meinem Heritage P130 auf der GoTo-Montierung einen schönen Blick auf M 44 ein. Diesmal konnte ich einzelne Sterne sehen, nicht nur eine unscharfe Wolke... Das gleiche gilt für den 16. März.

Praesepe (M 44) im Cancer/Krebs und Lage in Bezug auf Castor und Pollux in Gemini/Zwillinge

 

Andromeda: M 31

Nachdem ich am zweiten Tag auf dem Balkon mit dem Fernglas nach Praesepe gesucht hatte, schaute ich einfach mal in die andere Richtung, also nach Westen, ob ich nicht über die Andromeda-Galaxie M 31 "stolpern" würde. So einigermaßen weiß ich, wo sie sich am Himmel befindet, und im Februar, wo die Andromeda senkrecht steht, sollte sie besonders leicht zu finden sein (mit dem Fernglas wegen des großen Himmelsauschnittes...). Und so war es auch! Da es im Westen noch recht hell war, war der Eindruck nicht überwältigend, aber zu sehen war die Galaxie zweifelsfrei. Mit dem GSD 680 (8" Dobson) auf der Terrasse konnte ich die Galaxie leider nicht finden (mit dem Fernglas auch von dort). Ich hatte Mühe, mich mit dem Leuchtpunktsucher in dieser Himmelsregion zu orientieren, weil die schwachen Sterne in der fraglichen Region im nicht vergrößernden Leuchtpunktsucher kaum zu sehen waren.

Am dritten Tag, an dem ich das Heritage 100P auf der GoTo-Montierung betrieb, habe ich M 31 natürlich gefunden, aber die Galaxie war nur schwach zu sehen; das gleiche galt für das Fernglas. Offensichtlich war der Himmel im Westen noch zu hell... Am 18.2. suchte ich M 31 noch einmal mit dem GSD 680 auf, fand sie diesmal auch und konnte die Galaxie gut, aber nicht detailliert erkennen. Das gleiche gilt mehr oder weniger für das Heritage P130 auf der GoTo-Montierung (26.2., Neumond).

Andromeda-Galaxie M 31 und Doppelsternhaufen NGC 884/869 im Perseus

Die Skizze von Michael Vlasov (DeepSkyWatch.com) zeigt einen ungefähren Eindruck von dem, was ich sah (aber viel schwächer als die Skizze):

Skizze der Andromeda- Galaxie von Michael Vlasov (Copyright © Michael Vlasov 2016) - gezeigt mit Erlaubnis des Autors

 

Perseus: NGC 884/869 (Doppelsternhaufen)

Am dritten Tag meiner "Winterbeobachtungen" habe ich versucht, den offenen Doppelsternhaufen NGC 884/869 im Perseus zu finden. Das gelang auch, aber mit dem Fernglas war mir nicht ganz klar, welchen der beiden Haufen ich gerade vor mir hatte oder gar beide; das gleiche galt für das 100P-Teleskop. Mit der GoTo-Steuerung zeigte sich aber, dass es wohl mehr oder weniger beide Haufen waren, die ich sah. Anfangs erschienen die Sternhaufen nur schwach, später waren sie besser zu sehen, aber niemals so schön, wie wir sie im Herbst 2016 in Frankreich gesehen haben, wo sie richtig funkelten. Aber dort ist der Himmel auch besonders dunkel. Am 18.2. suchte ich das Doppelcluster noch einmal mit dem GSD 680 auf, und damit konnte ich es gut erkennen.

Doppelsternhaufen NGC 884/869 im Perseus (zwischen Perseus und Cassiopeia); Übersichtskarte siehe M 31.

Die Skizze von Michael Vlasov (DeepSkyWatch.com) zeigt einen ungefähren Eindruck von dem, was ich sah (aber viel schwächer als die Skizze):

Skizze des NGC 884/869 Doppelsternhaufens von Michael Vlasov (Copyright © Michael Vlasov 2016) - gezeigt mit Erlaubnis des Autors

 

M 41

Ich habe M 41 am 2.3. mit dem Heritage P130 auf der GoTo-Montierung aufgesucht. Wie man bei Karkoschka nachlesen kann, beeindruckt dieser Sternhaufen im Teleskop nicht, und so war es dann auch.

M 41 beim Sirius (Canis Major/Großer Hund)

 

M 81/82 (Bode-Galaxien)

Am 2.3. habe ich die Bode-Galaxien M 81 und M 82 am 2.3. mit dem Heritage P130 auf der GoTo-Montierung aufgesucht. So war ich einigermaßen sicher, dass ich sie auch tatsächlich im Bildfeld haben würde. Ob ich sie dann auch sehen würde, war natürlich offen... Tatsächlich habe ich beide sehr schwach sehen können, wobei M 81, die Galaxie, auf die man von oben schaut, etwas besser zu erkennen war.

Ohne GoTo-Montierung hätte ich die Galaxien vermutlich nie gefunden...

M 81 und M 82, die Bode-Galaxien in Ursa Major/Großer Bär

Die Skizze von Michael Vlasov (DeepSkyWatch.com) zeigt einen ungefähren Eindruck von dem, was ich sah (aber viel schwächer als die Skizze): Skizze der Bode-Galaxien von Michael Vlasov (Copyright © Michael Vlasov 2016)

Hinweis: Ich habe vom Autor nur die Erlaubnis erhalten, auf die Skizze zu verlinken.

 

NGC 2237/2244 (Rosettennebel)

Auch den Rosettennebel NGC 2237-39/46 (galaktischer Emissionsnebel) habe ich am 2.3. mit dem Heritage P130 auf der GoTo-Montierung aufgesucht. Den Nebel habe ich nicht erkennen können, nur den darin befindlichen offenen Sternhaufen NGC 2244, der aber auch nicht sehr eindrucksvoll war. Vielleicht hat die noch schmale Mondsichel doch schon eine Rolle gespielt...

Ich vermute, ich habe den Haufen, eher "nebulös" bereits mit dem Fernglas gesehen (das ist schwer nachzuprüfen), als ich das Gebiet "durchstreifte" - laut Karkoschka sollte das möglich sein...

Galaktischer Emissionsnebel 2237-39/46 (Rosettennebel) und darin der offene Sternhaufen NGC 2244; darüber der Weihnachtsbaum-Haufen NGC 2264

Die Skizze von Michael Vlasov (DeepSkyWatch.com) zeigt einen ungefähren Eindruck von dem, was ich sah (aber viel schwächer als die Skizze): Skizze des Rosettennebels von Michael Vlasov (Copyright © Michael Vlasov 2016)

Hinweis: Ich habe nur die Erlaubnis des Autors, auf diese Skizze zu verlinken.

 

NGC 2264 (Weihnachtsbaum-Haufen)

Ich habe das Weihnachtsbaum-Haufen NGC 2264 am 2.3. mit dem Heritage P130 auf der GoTo-Montierung aufgesucht. Es war nicht sehr eindrucksvoll und den Eindruck eines Weihnachtsbaumes hatte ich auch nicht. Vielleicht hat die noch schmale Mondsichel doch schon eine Rolle gespielt...

NGC 2264, der Weihnachtsbaum-Haufen; darunter der galaktische Emissionsnebel 2237-39/46 (Rosettennebel) und darin der offene Sternhaufen NGC 2244

 

Anmerkungen

Vorbereitung

Bei der Suche nach Deep-Sky-Objekten ist eine gute Vorbereitung wichtig - das liest man, und ich kann es auch bestätigen. "Gute Vorbereitung" heißt im wesentlichen, sich eine Liste der Objekte zusammenzustellen, die man beoabachten möchte - und dazu Hinweise, wo und wie die Objekte zu finden sind. Wenn man, so wie ich es diesmal gemacht habe, drei Tage hintereinander dieselben Objekte beobachtet, stellt sich zudem eine gewisse Routine ein und das erneute Aufsuchen der Objekte geht schneller und sicherer. Irgendwann mag sich dann auch Langeweile einstellen, aber das ist erst recht der Fall, wenn man sich nicht vorbereitet und immer nur dieselben "Paradeobjekte" beobachtet...

Ist es das oder ist es das nicht?

Wenn man sein Teleskop mit Hilfe des Leuchtpunktsuchers in etwa auf die gewünschte Himmelsgegend ausgerichtet hat, ins Okular schaut und nichts oder nur "Nebulöses", aber nicht ungedingt nebelartiges sieht, stellt sich natürlich die Frage: Ist der Himmel zu lichtverschmutzt, als dass man das Objekt erkennen kann oder hat man das Objekt nicht korrekt angefahren? Diese Frage habe ich bei manchen Objekten auch nach mehrmaligen Versuchen am ersten Beobachtungstag nicht klären können.

Deshalb habe ich die Exkursion des ersten Tages an den darauffolgenden Tagen noch auf zwei andere Arten wiederholt: Zum einem mit meinem 8"-Dobson (GSO GSD 680) und zum anderen mit meiner Sky-Watcher Synscan AZ GoTo-Steuerung und dem Sky-Watcher Heritage 100P. Im ersteren Fall sollte das eine oder andere Objekt, das mit dem 100P nicht zu sehen war, wegen der höheren Lichtsammelleistung des 8"-Teleskops zu sehen sein, wenn es korrekt angefahren ist. Im zweiten Fall sollten die Objekte dank GoTo-Steuerung korrekt angefahren werden (das klappt auch nicht immer...). Wenn ich dann trotzdem nichts im Okular erkennen sollte, ist halt mit diesem Teleskop unter den gegebenen Bedingungen "nicht mehr drin"...

Die Ergebnisse oben zeigen, dass vor allem im Falle von M 35, M 36, M 37 und M 38 etwas mehr Klarheit in diese Fragen gebracht werden konnte. Ebenso blieben M 78 und M 1 in allen Fällen unbeobachtbar (dachte ich), was nahelegt, dass die Lichtbedingungen nicht gut genug für diese Objekte waren. Am letzten Beobachtungstag konnte ich dann aber M 1 doch mit meinem größten Teleskop finden.

Gummimenschen gesucht!

Einige Objekte (M 35, M 36-38) lagen so hoch am Himmel, dass ich Mühe hatte, sie mit dem Leuchtpunktsucher zu finden. Ich musste, sozusagen, "unter" das Teleskop kriechen, um den roten Punkt im Sucher erkennen zu können. Ein etwas höherer Tisch hätte vielleicht geholfen, aber auch das stößt an Grenzen - und wenn er zu hoch ist, gibt es Probleme mit dem seitlichen Einblick ins Okular. Ein Winkelsucher muss also her! Ich habe im Internet geschaut, ob es überhaupt Winkelsucher gibt, die nur mit Leuchtpunkt und ohne Vergrößerung arbeiten. Anscheinend gibt es das nur für den Telrad-Sucher - oder für fast 300 EUR von TeleVue, aber da passen der Fuss - und der Preis - nicht. Der Telrad-Winkelsucher mit Tauschutz ist inzwischen eingetroffen und ich habe ihn am 18.2.2017 zum ersten Mal ausprobiert. Begeistert bin ich bisher nicht...

Diese Probleme habe ich zum Glück nicht, wenn ich die GoTo-Steuerung einsetze - da muss ich mich höchstens für die Justiersterne verrenken, aber es gibt ja mehrere Sterne zur Auswahl... Deshalb konnte ich damit alle diese Objekte und auch den Perseus-Doppelsternhaufen am dritten Tag ohne Probleme anfahren.

GoTo: Treffgenauigkeit?

Mit der Sky-Watcher Star Discovery AZ GoTo-Montierung habe ich schon sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, was die Treffgenauigkeit angeht. Das hängt sicher von der Genauigkeit ab, mit der das Stativ aufgestellt wird, der Genauigkeit von Zeit- und Ortsangaben, aber auch der Genauigkeit, mit der das Teleskop auf die Justiersterne ausgerichet wird (das Objekt sollte "mittig" im Okular erscheinen; das dafür angeschaffte Fadenkreuzokular vergrößert für meinen Geschmack zu stark, so dass ich dann doch "normale" langbrennweitige Okulare verwende). Möglichweise spielt auch die Lage der Justiersterne am Himmel, auch zueinander, eine Rolle.

Bisher habe ich es mit all diesen Dingen mehr oder weniger genau genommen und deshalb eben auch auch sehr unterschiedliche Erfahrungen gesammelt: An manchen Tagen klappte es wunderbar, an anderen Tagen gab es nur Frust. Ich denke, dass das verwendete Teleskop, sprich die verwendete Vergrößerung, eine wichtige Rolle spielt, ebenso wie die Lage der Objekte die man anfährt, sprich, ob sie relativ nahe beieinander liegen oder diametral entgegengesetzt am Himmel stehen.

Ich möchte dieses Thema hier nicht weiter vertiefen, sondern nur mitteilen, dass ich diesmal keine großen Probleme hatte, auch wenn ich die Objekte im Okular oft ein bisschen "nach unten" bewegen musste. Man kann die Ausrichtung ein wenig verbessern, wenn man das Teleskop über die Astronomie-App SkySafari für das iPad und mit SkyWire steuert. Aber weil ich die Namen der Objekte alle auswendig kannte, habe ich darauf verzichtet, die Steuerung an das iPad anzuschließen. Es ging auch so zufriedenstellend...

 

Referenzen

Alle Sternkarten wurden mit SkySafari Plus für Apple Macintosh erzeugt.

Bücher

Websites

Von dieser Website

 

An den Anfang   Homepage  

gerd (at) waloszek (dot) de

Über mich
made by walodesign on a mac!
17.03.2017