Gerd Waloszek über Designer

Nachdruck meines UI Design Blinks, ursprünglich auf der SAP Design Guild veröffentlicht, nun auf walodesign.de; aus dem Englischen frei übertragen (mit Hilfe von deepl.com)

In verschiedenen Artikeln auf der SAP Design Guild Website (nicht mehr verfügbar) habe ich die unterschiedlichen Arten von Design und Designern diskutiert. Deshalb bat mich eine Kollegin, diese in weniger als 500 Worten in einem Einführungsartikel für die SAP UX Community zu beschreiben. Ich habe jedoch weder die 500 Wörter-Grenze eingehalten, noch berücksichtigt, dass die angestrebte Zielgruppe sehr wenig über Design weiß. Also zog ich den Artikel zurück und ging "zurück ans Zeichenbrett". Für meinen Design-Blog erschien mir der Artikel jedoch nach einigen Veränderungen angemessen, obwohl ich den Anfang aus einer (eigenen) Buchbesprechung "gestohlen" und zuvor bereich über das Thema geschrieben hatte. Hier ist also in (ziemlich) kurzer Form meine persönliche Sichtweise dessen, welche Art von Designern die Softwarewelt bevölkern - und bitte entschuldigen Sie einige Wiederholungen.

Als ich jung war, kannte ich nur drei Designdisziplinen: Modedesign, Produkt- oder Industriedesign und Grafikdesign. Naiv wie ich damals war, verstand ich dies so, dass die erste Disziplin für modische Kleidung, die zweite für das Design von Autos, Staubsaugern, skandinavischen Möbeln usw. und die dritte für Buchillustrationen, Briefmarken und Werbung verantwortlich war. Heute gibt es eine Vielzahl von Designdisziplinen. Besonders in der Softwarewelt finden wir Designer, die sich auf Interaktionsdesign, User Interface (UI)-Design, User Experience (UX)-Design, Grafik/Visual Design, Webdesign sowie "Designdenken" (desing thinking) spezialisiert haben, um nur die prominentesten zu nennen. Ich möchte deshlb etwas Licht in diese Vielfalt bringen und nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten suchen.

Types of designers

Abbildung: Designer können unterschiedlich "ticken" und auch unterschiedliche Hintergründe haben (Abbildung aus meiner Besprechnung des Buches The Plenitude)

Erstens sind die Bezeichnungen für die Arten von Designern weder exklusiv, noch spiegeln sie notwendigerweise alles wider, was diese tun. Denken Sie also daran, dass meine Charakterisierungen unvermeidlich grobe Vereinfachungen sein werden.

Interaktionsdesigner (Interaktionsdesign, IxD) entwerfen typischerweise "physische" (anfassbare) Geräte, wenn auch oft mit viel Software "unter der Haube". Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen mit ihren Designs "interagieren", sprich umgehen oder "zurechtkommen". Typische Anwendungen sind Museumsinstallationen und prototypische Geräte, um Ideen mit "leibhaftigen" Menschen auszuprobieren (oder zu "erforschen"). Einige Interaktionsdesigner (z.B. die "Forschung durch Design" bzw. FTE Vertreter) behaupten, dass dies eine "praktikable" (sprich "anerkannte") Art von Forschung ist. Oftmals haben diese Designer einen Kunsthochschul-Hintergrund, und einige von ihnen fühlen sich auch ein wenig wie Künstler. Andere, wie die "kritischen Designer" ("critical design"), fühlen und handeln auch als Provokateure. Sie erforschen oft Zukunftsszenarien und wollen Menschen mit ihren Installationen zum Nachdenken anregen - und sie davon überzeugen, ihr Verhalten zu ändern (Persuasion/persuasive Design).

User Interface Designer (UI-Design) entwerfen typischerweise Benutzungsoberflächen für Softwareanwendungen. Einige Leute behaupten, sie platzieren einfach "Controls" (grafische Dedienelemente) auf Bildschirmen (Fenster, ...) und ordnen diese an, um den Workflow der Benutzer zu optimieren. Gute UI-Designer denken jedoch ganzheitlich, gestalten die komplette Interaktion der Benutzer mit ihrer Software und kümmern sich um den Kontext, in dem sie eingesetzt wird (sie denken an "Use Cases" und Szenarien sowie prototypische Benutzer oder "Personas"). Es überrascht nicht, dass einige UI-Designer sich deshalb Interaktions-Designer nennen (denken Sie an Cooper Interaction Design, jetzt nur noch Cooper). UI-Designer haben oft einen Informatik- oder kognitionspsychologischen Hintergrund - sie fühlen sich eher als Forscher oder Ingenieure denn als Künstler.

(User) Experience Designer (UX-Design) können als eine neuere Generation von UI-(und Interaktions-)Designern angesehen werden, welche die Gesamterfahrung des Benutzers mit einem System in den Mittelpunkt ihrer Designarbeit stellt. Auch dies erfordert eine ganzheitlichere Sichtweise. Die Erfahrung eines Benutzers kann gut oder schlecht sein, und natürlich ist das bevorzugte Ergebnis, dass sie gut oder "für den Benutzer befriedigend" ist. Dieser Ansatz beschränkt sich natürlich nicht nur auf Software, sondern kann auf alle Artefakte, auf Prozesse wie Services (Service Design) und sogar auf Organisationsstrukturen (Organisation Design) angewendet werden.

Visuelle/Grafikdesigner gestalten die visuellen Aspekte von Produkten oder Softwareanwendungen, sei es statisch oder zunehmend dynamisch: Farben, Formen, Übergänge, Bewegungen und mehr sind ihre Domäne. Viele visuelle Designer wollen sich jedoch nicht auf die Gestaltung visueller Aspekte beschränken. Sie behandeln auch Interaktionsaspekte und verstehen sich als Interaktionsdesigner. Wenn sie z.B. am Design von Bildschirmsteuerelementen ("controls") beteiligt sind, machen sie in edr Tat Interaktionsdesign. Im Gegensatz zu UI- und UX-Designern haben die meisten visuellen Designer einen kunstbezogenen Hintergrund und fühlen sich auch ein wenig wie Künstler, obwohl es ebenso viele "selbst-ausgebildete" Designer in diesem Bereich gibt.

Webdesigner wurden zunächst als eine Art visuelle Designer angesehen, die sich auf Webseiten spezialisiert haben. Mit der Entwicklung des Webs zu einem dynamischen Medium verschwimmen jedoch die Grenzen zwischen Web, UI und visuellen Designern immer mehr. Dennoch ist ihre technische Domäne das Web, und zunehmend basieren mobile Apps auf Web-Technologie. Auch das Webdesign hat viele selbst-ausgebildete Designer angezogen und zieht sie immer noch an...

"Designdenker", d.h. Befürworter des Design Thinking-Ansatzes, ermutigen Designer, ihre Methoden in die Geschäftswelt einzubringen - entweder indem sie selbst an Geschäftsprozessen teilhaben oder indem sie Geschäftsleute in der Anwendung von Designmethoden schulen. Sie behaupten, dass "jeder ein Designer sei ", was einige professionelle Designer die Stirn runzeln lässt, denn so könnten die Leute zu dem Schluss kommen, dass Design-Profis nicht mehr gebraucht werden. Und wie bereits für UX-Designer berichtet, gibt es für Designdenker fast keine Grenzen hinsichtlich der Anwendung ihres Ansatzes (bis auf Vorbehalte, Designer überhaupt in ein Team aufzunehmen....).

So, jetzt liegt es an Ihnen, zu wählen, welche Art von Designer Sie sein möchten. Aber egal, welche Berufsbezeichnung Sie auf Ihrer Visitenkarte haben werden, in Ihrem Berufsleben werden Sie sich wahrscheinlich an den meisten der oben genannten Themen beteiligen.....

 

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25.01.2019