Omegon Mini-Dobson-Basis

Einführung zu den Problemen und den Versuchen, diese zu beheben | Aussehen | Probleme | Behebungsversuche | Vorläufiges Fazit | Links

Auf dieser Seite stelle ich einige Informationen zu meiner Omegon Mini Dobson Montierung (kurz: Omegon Mini-Dobson-Basis) zur Verfügung. Dies ist eine einfache Tischmontierung nach Dobson-Art, die der Montierung des Sky-Watcher Heritage 100P-Dobson-Teleskops ähnelt. Sie ist allerdings weiß und ein bisschen kleiner (in der Größe entspricht sie wohl eher der Basis des Heritage 76). Ich hatte sie für den Zweck gedacht, das Sky-Watcher Heritage 100P und das Sky-Watcher Skymax 102-OTA daran zu verwenden, damit ich beide Tuben gleichzeitig einsetzen kann.

Ich diese Teleskop-Basis auch aufgrund der folgenden Werbeaussagen auf der Astroshop-Website gekauft:

Astroshop empfiehlt diese für Maksusov-Teleskoptuben bis zu 127 mm Öffnung (also z.B. das Skymax-127 OTA). Das halte ich nach meinen Erfahrungen mit dem Skymax-102 für recht ambitioniert...

Hinweis: Nachdem ich erst kürzlich wieder über diese Werbeaussagen "gestolpert" bin, habe ich zu den Themen "Teflon-Gleiter" und "weiche Bewegung" noch einmal eine Anfrage an Astroshop gesandt, obwohl ich eigentlich mit dem Thema abgeschlossen hatte. Denn die schwarzen Gleiter zwischen den Basisplatten für die Unterstützung horizontaler Bewegungen habe ich für einfache Plastikscheibchen gehalten. Der "weiche Lauf" wird auf dieser Seite ebenfalls thematisiert: die Scheiben habe ich bei meinem Exemplar als Ursache für den "gar nicht weichen Lauf" ausgemacht.

Update (26.10.2016): Nach meiner Anfrage erhielt ich zwei Tage später folgende Antwort:

Wir haben das Produkt bereits verbessert und Ihnen die Ersatzteile für das neue Update zugeschickt.
Das Produkt wurde zu eine Astronomie-Zeitschrift gesendet und nach deren Verbesserungsvorschläge angepasst.
Im Moment stehen keine weitere Verbesserungen bzw. Updates in Sicht.

Also leider keine Antwort auf meine Frage, aber immerhin eine Reaktion. Nun bin ich gespannt, was das für Ersatzteile kommen werden und was sie verbessern werden...

Leider litt diese Teleskop-Basis, in dem Zustand in dem ich sie kaufte, an einer Reihe von Problemen, die ich hier ebenfalls schildern möchte, ebenso wie die Versuche von Omegon und mir, diese zu behehen.

Dazu gebe ich zunächst eine Einführung. Dann zeige ich Fotos vom Aussehen der Basis allein und mit den beiden Teleskop-Tuben. Danach stelle ich die Probleme anhand von Fotos vor und schließlich die Ansätze von Omegon und mir, diese zu beheben.

 

Einführung zu den Problemen und den Versuchen, diese zu beheben

Es stellte sich leider schnell heraus, dass diese Basis ihre 30 EUR nicht wert ist, denn sie ist in praktisch jedem Detail minderwertiger verarbeitet als die Heritage 100P-Basis. Und sie hat, so wie ich sie gekauft habe, in meinen Augen auch zwei große Probleme:

  1. Die Prismenschiene rutscht leicht aus der Halterung heraus, unter anderem, weil die Feststellschraube am Ende nicht angeschrägt ist und so die Löcher in der Prismenschiene dezentral trifft und die Schiene dann beim Festschrauben verkippt.
  2. Die vertikale Achse hat zu viel Reibung, so dass sich die Füße (oder die Grundplatte) mitdrehen, wenn man das Teleskop in der Horizontalen drehen möchte.

Diese und weitere Probleme erläutere ich weiter unten anhand von Fotos näher.

Astroshop, das auch hinter der Make Omegon steht, hatte mich bald nach dem Kauf dort um eine Bewertung gebeten. Normalerweise gebe ich keine Bewertungen ab, aber diesmal hätte ich es getan, weil ich mich so über das Gerät geärgert hatte. Doch es ging erst einmal in den Urlaub. Zurück aus dem Urlaub habe ich Astroshop meine Meinung zur Basis per Email mitgeteilt und zudem für weitere Details den Link auf diese Seite gesandt. Astroshop hat daraufhin zwei Änderungen an der Omegon-Basis vorgenommen, welche die von mir angesprochenen Mängel beseitigen sollten:

Wie sich diese Änderungen bei meinem Exemplar auswirken, beschreibe ich weiter unten im Detail und wieder anhand von Fotos. Kurz gesagt, wurden die Probleme damit bei meinem Exemplar leider nur teilweise gelöst. Ich habe deshalb weitere Maßnahmen ergriffen, um diese Probleme - und noch ein weiteres Problem - zu lösen. Auch das alles beschreibe ich weiter unten. Damit ist das Gerät im Rahmen seiner Möglichkeiten für mich "einsatzbereit". Inwieweit die inzwischen verbesserten Omegon-Basen "einsatzbereit" sind, kann ich nicht beurteilen. Wenn die beiden Drehgelenke weiterhin so wie die meines Exemplars im Originalzustand sein sollten, sehe ich allerdings noch Verbesserungsbedarf (Details siehe unten).

Verblieben ist für mich neben der billigen Verarbeitung (on das ein "Problem" ist, muss jeder für sich selbst beurteilen...) das Problem der größeren "Kippeligkeit" gegenüber der Basis des Heritage 100P. Diese kann wegen der drei Füße zwar ebenfalls leicht umkippen (über eine "Dreiecksseite"), aber sie kippt doch nicht so schnell wie die Omegon-Basis. Um die Stabilität der 100P-Basis zu erreichen, müßte die Omegon-Basis eine ähnliche dreieckige Grundplatte mit Füßen an den Ecken erhalten (was natürlich die Transporteigenschaften verschlechtern würde). So eine Platte wäre ein Fall für den Selbstbau...

Ich werde die Omegon-Basis nach diesen Verbesserungen vor allem für den leichten Heritage 100P-Tubus einsetzen, insbesondere, wenn das Skymax-102 auf der Basis des Heritage 100P eingesetzt wird (z.B. auf Reisen). Die Omegon-Basis ist mir zu "umkippfreudig", als dass ich den schwereren Skymax-102-Tubus darauf setzen möchte. Ein leichter versehentlicher Stoß gegen den Tubus kann bereits zum Umkippen der Basis führen, wenn er in die "richtige" Richtung zielt.

 

Aussehen

Auspacken

Umverpackung

Geöffnete Verpackung

 

Ansicht Innenseite

Ansicht Außenseite

Schrägansicht

Vergleich mit Heritage 100P-Basis

Dito, von der anderen Seite gesehen

 

Skymax-102- und Heritage 100P-Teleskop-Tuben auf der Omegon- und der Heritage 100P-Basis

Die folgenden Fotos demonstrieren, wie das Heritage 100P und das Skymax 102-OTA auf den jeweiligen Mini-Dobson-Basen sitzen.

Heritage 100P auf eigener und Skymax-102 auf Omegon-Basis

Dito, andere Seite

Dito, Tuben steiler gestellt

Basen getauscht

Dito, Omegon-Basis gedreht, so daß beide Basen gleich orientiert sind

Dito, beide Basen von der anderen Seite

Teleskope von vorn

Teleskope von hinten

 

Die Feststellschraube für den Tubus wurde auf den Fotos immer so orientiert, dass sie auf eines der drei Löcher in der Prismenschiene trifft. Dadurch ergibt sich für beide Basen eine unterschiedliche Orientierung der Tuben.

Skymax-102-Teleskop-Tubus auf der Omegon-Basis

Die folgenden Fotos demonstrieren, wie das Skymax 102-OTA auf der Omegon-Basis sitzt.

Skymax-102 auf Omegon-Basis

Dito, von vorn

Dito, andere Seite

 

Dito, von hinten

 

Der Zenitspiegel stößt unten an, der Tubus kann nicht vollständig rotiert werden - aber das ist kein Problem...

Dito, Detail

Dito, Detail

Die Feststellschraube für den Tubus wurde auf den Fotos so gestellt, dass sie auf eines der drei Löcher in der Prismenschiene trifft.

 

Probleme

Im folgenden führe ich einige der Probleme, die ich bei der Omegon Mini-Dobson-Montierung gefunden habe, auf und vergleiche die Basis auch mit der Heritage 100P-Basis. Das komplette Heritage 100P-Teleskop kostet inzwischen ca. 125 EUR (ich habe es noch für etwa 100 EUR gekauft), so dass die Basis selbst auch kaum mehr als 30 EUR kosten dürfte und damit vergleichbar mit der Omegon-Basis sein sollte.

Die beiden Mini-Dobson-Basen: Omegon links, Heritage 100P rechts

Dito

Auf den ersten Blick scheinen keine großen Unterschiede zwischen beiden Mini-Dobson-Basen zu bestehen, aber drei fallen mir schon auf Anhieb auf. Insgesamt wirkt alles im Vergleich, kleiner, weniger und billiger... Details im folgenden!

Material

Angestoßene Grundplatte nach kurzem Kontakt mit etwas Hartem...

Das Beschichtungsmaterial Resopal der Omegon-Basis macht einen billigen Eindruck, und ich habe auch gleich eine Kante angestoßen, als ich etwas unvorsichtig war. Das Material der 100P-Basis ist genarbt und wirkt hochwertiger, und ich habe noch keine Schäden an dieser Basis festgestellt.

Stabilität

Grundplatte von oben (Omegon links, Heritage rechts mit größerer Mutter)

Grundplatte von unten (Omegon links, Heritage rechts mit Kugellager???)

Man beachte die unterschiedlich großem Füße (Omegon links, Heritage rechts)

Man erwartet von einer solchen Mini-Montierung keine Super-Stabilität, aber durch die dreieckige Grundplatte und die größeren Füße ist die Heritage 100P-Montierung natürlich stabiler, braucht dafür aber auch etwas mehr Platz auf Reisen. Die Omegon-Basis ist allerdings erheblich "kippeliger" als die Heritage 100P-Basis. Ein leichter Stoß gegen den Tubus in die "richtige" Richtung, reicht bereits aus, um die Basis zum Umkippen (über eine "Dreiecksseite") zu bringen. Auch die 100P-Basis ist wegen der drei Füße nicht unbedingt "umkippsicher"...

Vertikale Achse

Grundplatte von oben (Omegon links, Heritage rechts)

Grundplatte von unten (Omegon links, Heritage rechts)

Die Abstandshalter aus Teflon (weiß) zwischen den Grundplatten sind bei der Heritage-Basis dicker als bei der Omegon-Basis

Die Abstandshalter aus Teflon (weiß) zwischen den Grundplatten sind bei der Heritage-Basis dicker als bei der Omegon-Basis

Die schwarzen Abstandshalter aus Plastik zwischen den Grundplatten sind bei der Omegon-Basis dünner als bei der Heritage-Basis

Eine Seite des Gelenks für die vertikale Achse (Heritage 100P-Basis) - zum Vergleich siehe das Foto darunter

Sogar die Scheibe für die Kontermutter ist bei der Omegon-Basis kleiner (die Mutter auch) ...

... als bei der Heritage-Basis (dafür gibt es etwas Rost...)

Das simple Gegenstück des obigen Bildes bei der Omegon-Basis...

 

Das Drehgelenk für die vertikale Achse ist bei der 100P-Montierung in allen Aspekten solider ausgeführt. Als Ergebnis läßt sich das Teleskop auch leicht um die vertikale Achse drehen. Bei der Omegon-Basis drehen sich die Füße immer mit, wenn ich den leichten 100P- oder den schwereren 102-Tubus (oder auch nur die Basis allein) drehen möchte. Da hilft nur, die Grundplatte an den Gummifüßen festzuhalten! Eigentlich ein "no go", wie man so sagt...

Die Abstandshalter sind bei der Omegon-Basis aus Plastik und außerdem dünner als die Teflon-Abstandshalter bei der Heritage 100P-Basis.

Rändelrad zum Fixieren des Azimutwinkels

Rändelrad (zentrale Klemmschraube) zur Fixierung des Azimutwinkels

Keine Scheiben beim Rändelrad zur Fixierung des Azimutwinkels bei der Omegon-Basis

Zwei Scheiben (Teflon und Metall) beim Rändelrad zur Fixierung des Azimutwinkels bei der Heritage-Basis

Das Rändelrad zum Fixieren des Azimutwinkels (zentrale Klemmschraube genannt) ist bei der Omegon-Basis zwar größer, aber viel weniger griffig als das der 100P-Basis, das tiefere und damit griffigere Kerben hat. Den Unterschied merkt man vor allem dann, wenn man das festsitzende Rändelrad wieder lösen muss. Auch werden bei der 100P-Basis Unterlegscheiben (eine aus Teflon und eine aus Metall) verwendet, was das Lösen und Festziehen des Rändelrades erleichtert. Außerdem habe ich festgestellt, dass sich dadurch der Tubus auch leichter auf- und abwärts bewegen läßt. Beim Omegon muss man die Schraube so weit losdrehen, damit sich der Tusbus leichter auf- und abbewegen läßt, dass er schon leicht zur Seite kippt.

Prismenschienenhalter, Feststellschraube

Hinweis: Die Feststellschraube ist nach meiner Bewertung der Omegon-Basis verändert worden! Details siehe weiter unten.

Prismenschienenhalter

Die Prismenschienenhalter sehen zwar praktisch identisch aus, aber die Tuben halten besser in der 100P-Version und rutschen nicht so leicht heraus. Ein weiteres Geheimnis verbirgt sich hinter den Feststellschrauben:

Die Feststellschraube ist bei der Omegon-Basis mehr oder weniger platt am Ende

Die Feststellschraube ist bei der 100P-Basis am Ende angeschrägt

Die Feststellschrauben im Vergleich (Omegon oben, Heritage unten)

Und das passiert dann bei der Omegon-Basis, wenn man die Feststellschraube in eines der Löcher in der Prismenschiene einführen möchte:

Die Feststellschraube bei der Omegon-Basis trifft das Loch in der Prismenschiene nicht mittig...

... und drückt die Prismenschiene auf der anderen Seite nach oben und im schlimmsten Fall aus der Halterung

Die Feststellschraube bei der Omegon-Basis trifft das Loch in der Prismenschiene nicht mittig und drückt die Prismenschiene auf der anderen Seite nach oben und im schlimmsten Fall aus der Halterung. Das mir einmal mit dem Heritage 100P passiert, und es ist heruntergefallen- zum Glück ist nichts kaputt gegangen, aber der Schreck war groß. Aber immer wieder stelle ich fest, dass die Prismenschiene nicht richtig in der Halterung sitzt und kurz davor ist, herauszurutschen.

Was kann man machen? Eigentlich wollte ich die Löcher in der Prismenschiene verwenden, um zu verhindern, dass Tuben nach unten durchrutschen, weil man die Schraube nicht fest genug gezogen hat. Darauf muss ich wohl in Zukunft verzichten! Ich habe festgestellt, dass es weniger Probleme gibt, wenn man die Seite der Prismenschiene ohne Löcher verwendet. Dann trifft das Ende der Feststellschraube die Schiene nicht "asymmetrisch" und drückt die Schiene nicht aus der Halterung. Das angeschrägte Ende der Feststellschraube bei der Heritage 100P-Basis vermindert das Problem, aber beseitigt es leider auch nicht vollständig. Irgendwie scheinen die Löcher in den Prismenschienen nicht genau zu passen... Seitdem achte ich auch bei anderen Teleskop-Basen peinlich darauf, dass alles gut sitzt und die Prismenschiene nicht aus der Halterung herausrutschen kann. Eigentlich brauche ich drei Hände, um alles sicher festzuschrauben...

Hinweis: Die Feststellschraube ist nach meiner Bewertung der Omegon-Basis verändert worden! Details siehe weiter unten.

 

Behebungsversuche

Nach meiner Bewertung hat Astroshop zwei Änderungen an der Omegon-Basis vorgenommen, welche die von mir angesprochenen Mängel beseitigen sollten:

Astroshop hat mir diese Teile in einem kleinen Päckchen zugesandt. Besitzer der unveränderten Omegon-Basis sollten Astroshop kontaktieren, um diese Ersatzteile ebenfalls zu erhalten. Hier ist der Inhalt des Päckchens:

Paketinhalt

Feststellschraube und Gummifüße ausgepackt

Dito, größer

Feststellschraube

Die neue Feststellschraube ist etwas kleiner geraten als die alte, aber ausreichend groß. Die Spitze der Schraube ist jetzt leicht abgerundet, zwar nicht ganz so rund wie bei der 100P-Basis (etwa so wie bei der P130-Basis), doch für eine einwandfreie Funktion ausreichend.

Hier noch einmal die verschiedenen Feststellschrauben im Vergleich:

P130, 100P, neu, alt

P130, 100P, neu, alt

P130, 100P, neu, alt

Ergebnis: Mit der neuen Feststellschraube habe ich nicht mehr das Problem, dass sich die Prismenschiene verkantet oder herausrutscht. Dieses Problem ist also von Omegon gelöst worden!

Gummifüße, Horizontales Drehen

Die drei kleinen Gummifüße werden unten in die vorhandenen Füße hineingesteckt. Dadurch rutschen die Füße auf dem Tisch nicht mehr so leicht weg. Leider sitzen die Gummifüße recht locker und fielen mir von Anfang an immer wieder heraus. Damit waren sie in Gefahr, schnell verloren zu gehen! Statt sie festzukleben, habe ich kleine Schrauben aus meiner Radiobastelsammlung in die Gummifüße gesteckt und diese damit etwas dicker gemacht (es kommt auf den Schraubenkopf an...). Mit den Schrauben drin halten sie nun viel besser in den Füßen. Zugegeben eine etwas originelle Methode...

Omegon-Basis: Fuß ohne Gummifüßchen (Auslieferungszustand)

Omegon-Basis: Fuß mit Gummifüßchen (von Omegon zugesandt)

Heritage 100P-Basis zum Vergleich: Gummifuß auf dem normalen Fuß, um Rutschen zu verhindern; man sieht auch den Teflon-Abstandshalter als "Gleitmittel"

Gummmifüßchen mit eingesetzter Schraube, um das Füßchen dicker zu machen, damit es besser im Fuß hält

Dito

Dito

Die Gummifüßchen sollten das Rutschen beim Bewegen des Tubus in der Horizontalen verhindern (die 100P-Basis hat übrigens auch solche Füßchen, nur größer - siehe rechtes Foto oben in der ersten Reihe). Die spannende Frage war nun: Können sie das? Nein, leider konnten sie das bei meiner Basis (und meinen Teleskopen) nicht! Die Reibung der horizontalen Achse war zu groß und zwar umso größer, je schwerer der Teleskop-Tubus war (100P oder 102 OTA). Die Gummifüße hielten die Basis zwar besser auf dem Tisch fest, als wenn keine da gewesen wären, aber die Reibung des Gelenks war so stark, dass die Bodenplatte weiterhin auf der Tischplatte durchrutschte und sich mit dem Rest der Basis mitdrehte.

Ergebnis: Die Gummifüße verbessern zwar das Verhalten der Basis, aber können das Rutschen aufgrund der hohen Reibung zwischen den beiden Bodenplatten nicht verhindern - das war nur ein "Kurieren an Symptonen" (wie mein Festhalten der unteren Bodenplatte mit der Hand)...

Eigene Lösungsversuche

Was konnte ich tun - die Basis gleich "entsorgen" oder einen Versuch unternehmen, die Reibung zwischen den Bodenplatten zu vermindern? Ich entschied mich für letzteres und baute das Gelenk auseinander. Dabei kam die erste Enttäuschung zutage: Statt Teflon-Scheibchen waren nur einfache Plastikscheibchen als Abstandshalter und "Gleithilfe" verbaut. Wie sich bald herausstellen sollte, sind sie die "Steine des Anstoßes" bzw. der Grund für die hohe Reibung zwischen den Bodenplatten.

Schraube für das Gelenk für die vertikale Achse entfernt; man sieht die Plastikhülse für die Schraubenführung in der Mitte und die Plastikscheiben, die als "Gleitmittel" zwischen den Bodenplatten dienen

Gelenk auseinandergenommen; man sieht die Schraube (mit Mutter und Scheibe) für das Gelenk, die Führungshülse und die drei Plastikscheiben, die als "Gleitmittel" zwischen den Bodenplatten dienen

Dito; von solch einer Konstruktion würde ich keine guten Gleiteigenschaften erwarten...

Zunächst aber stellte ich fest, dass ein Teil der Reibung von der schwarzen Führungshülse für die Schraube herrührte, die die beiden Bodenplatten verbindet. Eigentlich sollte sie in der unteren Platte festsitzen und in der oberen durchdrehen. Das klappte aber nur bedingt, auch wenn ich leichte Unterschiede zwischen beiden Platten feststellte. Aber auch die Hülse selbst schien auf der einen Seite strammer zu sitzen als auf der anderen (das merkte man, wenn man sie umdrehte). Also habe ich eine Rundfeile herausgeholt und das zentrae Loch der oberen Platte ganz leicht vergrößert. Nach dem Zusammenbau drehte die untere Platte nach Anstoßen mehrere Runden, wenn ich sie nach unten hielt. Also konnte es nicht mehr an der Hülse liegen. Drehte ich die Basis jedoch auf den Kopf, so dass das Gewicht der Basis auf der Bodenplatte lastete, drehte die Basis nur um etwa 1/3-Umdrehung bei gleichstarkem Anstoß. Und auf dem Tisch ergab sich überhaupt keine Besserung nach dieser Aktion - die Füße rutschen beim Drehen der Basis weiterhin durch - und das verschlechterte sich mit zunehmendem Gewicht/Andruck.

Ein Vergleich mit der Heritage 100P-Basis ergab, dass ein Stubs dort auch nur 1/3- bis 1/2-Umdrehung ergab, und zwar in beiden Richtungen. Das Gelenk hatte also auch eine gewisse Reibung, die aber nicht zum Durchdrehen der Füße führte und bei Belastung auch nicht ungebührlich zunahm. Also konnte es eigentlich nur an den Plastikscheiben zwischen den Bodenplatten liegen, dass die Füße sich beim horizontalen Drehen mitbewegten.

Aber was nehmen? Plastik schien mir keine gute Lösung zu sein, also versuchte ich es mal mit Filzringen (von Potentiometerachsen), die ich in meiner Radiobastelsammlung fand. In der Tat schien das besser zu funktionieren als die originalen Plastikscheiben. Also bat ich meine Frau, ihre umgangreiche Filzgleitersammlung herauszukramen. Und tatsächlich fand ich kleine Filzgleiter, kaum dicker als die Plastikscheiben, die sich gut eigneten (Plastikgleiter schienen nicht so gut zu funktionieren). Die Geiter sollten auch so dünn wie möglich sein, weil sonst die Sicherungsmutter nicht mehr halten würde. Ich habe zur Sicherheit neben jede Plastikscheibe zwei Filzgleiter geklebt, damit sie nicht "schief ablaufen". So sieht das Ganze aus:

Gelenk noch auseinander gebaut, mit Filzgleitern und den originalen Plstaikscheiben

Filzgleiter und "Plastikgleiter" von der Seite gesehen

Dito, etwas schräger

Gelenk noch auseinander gebaut, mit Filzgleitern, kleiner

Gelenk zusammengebaut, Blick auf die Filzgleiter

Dito
 

Noch ein Blick auf die Filzgleiter

Dito

Da die Filzgleiter etwas dicker sind als die Plastikscheiben, hält die Sicherungsmutter nicht mehr so gut auf der Schraube. Eigentlich bräuchte ich jetzt eine neue Schraube, die einen halben Zentimeter länger ist als die alte...

Mit diesen Filzgleitern ist zwar noch einiges an Reibung vorhanden, aber die Füße drehen nicht mehr durch. Die Reibung ist auch recht gleichmäßig über die 360 Grad verteilt. Und es funktioniert auch mit beiden Tuben! Die Reibung nimmt also nicht zu stark zu mit steigendem Gewicht, das auf dem Gelenk lastet.

Wie lange diese "Reparatur" halten wird, weiß ich natürlich nicht, aber wenn die Filzgleiter eines Tages abgenutzt sind, kann ich mir bei meiner Frau wieder neue besorgen...

Auf- und Abschwenken des Tubus

Da ich schon mal dabei war, bin ich auch noch letzte Problem, das ich mit der Omegon-Basis hatte, angegangen, nämlich die Rändelschraube bzw. das zweite Gelenk der Basis. Die Schraube musste sehr weit aufgedreht werden, wenn ich den Tubus steiler oder flacher stellen wollte. Bei der 100P-Basis ging das, vermutlich aufgrund der Scheiben (siehe Foto unten erste Reihe rechts), erheblich leichter und ich brauchte die Schraube nicht so weit zu lockern.

Nachdem ich die Rändelschrauben beider Basen abgeschraubt hatte, stellte ich fest, dass sie auf der Seite, die die Reibung am Haltearm herstellt, unterschiedliches Material verwenden. Omegon verwendet ein gummiartiges Material, Sky-Watcher ein Material das mir filzartig zu sein scheint und dadurch etwas glatter ist und besser gleitet. Usprünglich wollte ich dort bei der Omegon-Basis Gummi-Scheiben montieren, die ich von Uhrwerken übrig hatte, um das Wackeln zu verringern, aber dieses Ergebnis sprach dagegen. So habe ich mich darauf beschränkt, auf der Schrauben-Seite analog zu Sky-Watcher eine Plastik- und eine Metallscheibe aus meinen Vorräten zu installieren - Teflon-Scheiben besaß ich leider nicht. Insgesamt scheint diese Maßnahme genützt und das Verhalten der Rändelschraube verbessert zu haben. Ich brauche sie nicht mehr ganz so weit zu lösen, wenn ich den Tubus neigen will.

100P-Gelenk auseinandergebaut, mit Scheiben; das Gleitmaterial wirkt "filzartig"

Omegon-Gelenk auseinandergebaut, Scheiben gibt es nicht; das Gleitmaterial wirkt "gummiartig"; nach dem Abschrauben hatte ich jede Menge feine Metallspäne auf dem Tisch...

100P-Gelenk zusammengebaut, mit Scheiben

Omegon-Gelenk zusammegebaut, Scheiben gibt es nicht

Omegon-Gelenk zusammegebaut, mit Scheiben von mir

Dito

Die verbleibenden Probleme habe ich bereits in der Einführung aufgeführt.

 

Vorläufiges Fazit

Die obigen Beispiele zeigen, dass die Omegon-Basis gegenüber der Heritage 100P-Basis qualitativ nicht mithalten kann. Zudem hatte sie zwei massive Probleme, die Omegon nach meiner negativen Betwertung adressiert hat, wenn auch nur teilweise mit Erfolg:

  1. Die vertikale Achse hatte zu viel Reibung, so dass sich Grundplatte mitdrehte (und die Füße durchrutschten), wenn ich das Teleskop drehen wollte.
  2. Die Prismenschiene rutschte leicht aus der Halterung heraus, unter anderem, weil die Feststellschraube am Ende nicht angeschrägt war und so die Löcher in der Prismenschiene dezentral traf und die Schiene dann beim Festschrauben verkippte.

Das erste Problem konnte mit einer neuen, abgerundeten Feststellschraube gelöst werden. Das zweite wurde mit Gummifüßchen angegangen, die zwar eine Verbesserung brachten, aber zumindest bei meinem Exemplar das Problem nicht lösten. Gummifüßchen sind im Grunde nur ein Versuch "Symptome zu kurieren". Das eigentliche Problem sind meines Erachtens die Plastikscheibchen, die als Gleitlager zwischen den Bodenplatten dienen und zuviel Reibung aufweisen. Solange Omegon dieses Problem nicht besser löst, glaube ich kaum, dass ich die Basis weiterempfehlen kann.

Schließlich bedarf auch das Gelenk für den Azimutwinkel einer Verbesserung oder zumindest der Nachrüstung von Scheiben, die das Auf- und Abschwenken des Tubus erleichtern.

Mit Hilfe von Omegon und mit Selbsthilfe habe ich die Omegon-Basis in einen funktionsfähigen Zustand gebracht, aber eigentlich wäre das von Anfang an die Aufgabe von Omegon gewesen. Die zusätzlichen Teile dafür dürften sich im Cent-Bereich bewegen...

 

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26.10.2016